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TV-Kolumne PZ-zapp

25.03.2013

PZ-zapp: Schlagerstar-Tod im Schmunzelduo-"Tatort"

Eben noch darf Box-Weltmeister Arthur Abraham einen Bösewicht im Hau-drauf-und-schieß-alle-tot-„Tatort“ mit Mr. One-Face Til Schweiger spielen, dann mimt Schlagerstar Roland Kaiser den mit allen Wassern gewaschenen Schlagerstar Roman König im Schmunzelduo-„Tatort“ aus Münster. Beide Promis kommen im Film ums Leben. Während Abraham am vergangenen Samstag die wehrlose Lusche im Boxring gegen Robert Stieglitz gibt und überraschend seinen WM-Titel verliert, darf man gespannt sein, wie sich das Krimi-Gastspiel bei Kaiser auswirken wird.

Immer mehr und immer exaltiertere Ermittler in immer mehr Städten und obendrein immer mehr Promis, die sich selber spielen – wird so der Sonntagabendkrimi in der ARD wieder zum absoluten Quotenkönig?

Bildergalerie: Immer mehr Kommissare an immer mehr "Tatorten"

Die Macher von "Tatort: Summ, summ, summ" haben gut daran getan, Kaiser nur kurze Sätze reden zu lassen. Das hatte schon Til-Schweiger- oder Simone-Thomalla-Format. Auch was die Gesichtsmimik betrifft. Aber so hat man ihm den schmierigen Schlagersenior abnehmen können. Dass ausgerechnet die kettenrauchende Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann), deren rauchige Stimme und lakonische Kommentare allein schon das Einschalten lohnen, zum pubertär starverliebten, mitsingenden und headbangenden König/Kaiser-Fan mutiert, hat meinen Glauben an das Gute im „Tatort“ aus Münster schon ein wenig erschüttert.

Dabei ist das Erfolgsmuster gleich geblieben. Gut, dass es Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl) unter den ARD-Sonntagsermittlern gibt. Sie haben angezeigt, dass man in einem „Tatort“ auch schmunzeln darf, dass man die Mördersuche in den dunklen Abgründen des bundesdeutschen Alltags nicht immer nur bierernst und mit Hang zu Depression und Selbstzerstörung betreiben muss. Gut auch, dass die vertrauten Nebenkriegsschauplätze gepflegt werden – Leichenaufschneider Boerne kämpft gegen die Folgen seiner Upper-Class-Bildungsbürger-Arroganz und gegen die mal treu dienende, mal aufmüpfige kleinwüchsige Gehilfin „Alberich“ (ChrisTine Urspruch), Kommissar Thiel muss sich behaupten gegen seinen kiffenden Vater und die zuweilen peinlichen Ungerechtigkeiten des Lebens, die auf kleine, dicke, mittellose Mittelschichtler mit St.-Pauli-Shirt einschlagen.

Das macht immer noch Spaß. Das war in "Summ, summ, summ" auch nicht mehr so slapstickhaft wie im Münster-„Tatort“ davor, als Boerne mal eben mit einer furzenden Kuh Bekanntschaft machen durfte. Aber ein bisschen mehr dürften die Autoren der Münster-Kultkrimis doch einmal Neues in die Beziehungen hineindichten. Boerne und Thiel haben wie einst Schimanski den „Tatort“ in eine neue Dimension geführt. Jetzt sollten sie, statt nur auf Bewährtem herumzureiten, einmal ein neues Pferd satteln.

Aber es reicht – natürlich locker – für eine „Daumen hoch“-Wertung auf PZ-zapp. Zu schön sind die Anspielungen auf diverse Zeitgenossen und aktuelle Situationen, die Wortspielereien. Und trotz eines komödiantischen Untertons ging die Spannung nicht verloren. Da dürfen sich so manche „Tatort“-Teams eine Scheibe davon abschneiden.

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