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TV-Kolumne PZ-zapp

© Dietz
04.03.2013

PZ-zapp: Schwacher Abschied für "Polizeiruf"-Ermittlerduo

Es ist schon lange her, dass ich das letzte Mal einen Film der Reihe „Polizeiruf 110“ gesehen habe. Und so schnell muss ich das nicht wiederholen. Denn erstens fand ich „Laufsteg in den Tod“ an den Haaren herbeigezogen, teilweise lustlos gespielt und zu dilettantisch bemüht um eine Nähe zur noch langweiligeren Model-Castingshow von Heidi Klum. Zweitens gehen die Kommissar-Urgesteine Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler) nach 17 Jahren Gangsterjagd in Pension.

Letzteres gab den Ausschlang, den Abschied des Ermittlerduos daheim auf der Couch zu verfolgen. Den beiden Kult-Kommissaren hätte ich jedoch nach 50 „Polizeiruf“-Filmen einen besseren Dienst-Ausstand und mir selbst einen anregenderen TV-Dienstabend gegönnt.

So ganz freiwillig wollten Schmücke und Schneider anscheinend nicht aufs Altenteil, aber wer die zuletzt über den Sonntagabend-Krimifan hereinbrechende Flut an neuen „Tatort“-Kommissaren sieht, weiß, dass die ARD mit jüngerem Serienpersonal ihr betuliches öffentlich-rechtliches Image auffrischen will. Ob die Zwangspensionierung von alten Serienhelden tatsächlich das Erfolgsrezept gegen manipulierten Casting-Blödsinn und inszenierten Reality-Soap-Schwachsinn der Privatsender ist?

Die Kopie von „Germany’s Next Top-Model“ in der „Polizeiruf“-Folge aus Halle ist jedenfalls nicht gelungen. Sie war nicht subtil und auch nicht komisch, weder aufschlussreich noch entlarvend, sondern einfach nur so unwirklich wie ein schlecht gemaltes Bühnenbild einer Laientheatergruppe.

Immerhin: Der frühere Klum-Juryspezi und Fashion-Heiteitei Thomas Rath spielte sehr überzeugend sich selbst, wobei man in den „Top-Model“-Folgen nie so ein fieses Verbrecherlächeln bei ihm sehen konnte. Angeblich soll auch „Top-Model“-Mitläuferin Sara Kulka auf dem Set zu sehen gewesen sein. Sie hat bei der 2012-Staffel Platz vier belegt. Mir wäre ja nicht einmal die Siegerin von 2012 aufgefallen. Wie hieß die eigentlich? Und wo sitzt die jetzt an der Supermarkt-Kasse?

„Laufsteg in den Tod“ – das klingt nach einem spannenden Blick hinter die mörderischen Kulissen der internationalen Mode- und Model-Mafia, doch der Parforceritt vom Castingwahn zum Mädchenhandel, vom profitgeilen Ausnützen schöner Mädchen bis hin zur entwürdigenden, zerstörerischen Ausbeutung stolpert über die Fallstricke einer hanebüchenen Geschichte.

Und so nebenbei räumt Schmücke auch noch im tschechischen Karlsbad ein Bordell aus. Die Kollegen dort haben anscheinend nur darauf gewartet, dass ein Polizeibeamter aus Halle das Kommando zum Sturm der Mädchenhändler-Villa gibt. Für wie realitätsfern hält man bei der ARD eigentlich den Zuschauer?

Realitätsnah war dagegen Sonja Kirchberger. Wetten, dass Heidi Klum in wenigen Jahren ähnlich alt und versteinert aussieht wie die einstige Miss Schlafzimmerblick Sonja Kirchberger in ihrer Rolle als böser Castingtussi-Mutter? Ob dann der ehemalige internationale Unterwäsche-Kleiderständer beim TV-Sender ProSieben bald in Pension gehen muss? Das Model-Business ist hart und kennt keine Gnade. Schon Modezar Karl Lagerfeld sagte über Heidi Klum: „Ich kenne sie nicht.“ Und Schmücke und Schneider wird er jetzt auch nicht mehr kennenlernen können. Angesichts ihrer letzten „Polizeiruf“-Folge hat Lagerfeld da nichts verpasst.

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