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© Dietz
22.10.2012

PZ-zapp: Schwäbischer Sex im "Tatort: Tote Erde"

Studierende Umweltaktivisten, die nachts in Firmengelände einbrechen, einen Wachmann erschlagen und athletisch auf turmhohe Brückenpfeiler kraxeln, um gigantische Poster daran zu befestigen, und das alles in Stuttgart? So oi Läddagschwätz. It in Schduagerd. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt sind die politischen Aktivisten – man nennt sie neudeutsch „Wutbürger“ – schon alle im Rentenalter und demonstrieren immer montags gegen einen unterirdischen Bahnhof, dem eine Grünanlage weichen muss. Das hätten die Macher von "Tatort: Tote Erde" eigentlich wissen müssen.

Aber die Obrgscheidle von der ARD haben eben wahrscheinlich gerade passend zur Wahl des neuen und grünen Stuttgarter Oberbürgermeisters einen Öko-Krimi ins Programm heben wollen. Ha no! Ein super Timing! Zuerst lächelt der siegreiche Fritz Kuhn in die Kamera, dann geht es den Umweltferkeln an den Kragen. Keine Chance für selle Bagaasch.

Ein bisschen konstruiert war dieser „Tatort“ ja schon. Das Thema ist – leider – immer aktuell, aber so richtig konnte man nicht Einblick nehmen in die Giftmüllentsorgungs- und Giftstoffrecycling-Mafia. Das blieb alles irgendwie an der Oberfläche, und am Ende mussten von weit her geholte Familienverstrickungen das Rätsel um den getöteten Ökoaktivisten lösen.

War mir eigentlich egal. Der „Tatort“ war zwar nicht oms veregga gut, aber doch gute Sonntagabendunterhaltung. Es gab viele Verwicklungen, etliche Überraschungen, genug spannende Momente – und einen seltenen Einblick in das, was der Schwabe nach dem „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ so treibt, wenn ihn der Hafer sticht.

Da fliegt die schwäbische Frauenuniform, der Kittlschurz, in hohem Bogen in die Ecke und ab geht es unter die Bettdecke. Im Hotel natürlich, denn daheim macht man so etwas ja nicht. Dieser „Tatort“ war der beste Beweis dafür, dass Mundartdichter Thaddäus Troll Mitte der 70er-Jahre mit seinem kindgerechten Aufklärungsbuch ganze Arbeit im Schwabenland geleistet hat. Und das Schöne an der unkeuschen Bettszene mit der Staatsanwältin, sexy gespielt von Natalia Wörner, war ihr Liebesgeflüster em beschde Dialekd. Es gibt also doch so etwas wie schwäbischen Sex.

Zu Beginn der Schwaben-Krimis hat man den „Tatort“-Machern ja noch vorgeworfen, dass da nie auch nur ein Wort in der schönsten deutschen Mundart (nach dem Badischen natürlich) gesprochen wurde. Jetzt bruddelt sogar ein Hausmeister, der wie ein schnauzbärtiger Bruder von Comedian Bülent Ceylan aussieht und sicherlich ein argusäugiger Hüter der Kehrwoche ist, haargenau so wie ein Schwabe eben so im Fernsehen schwäbisch spricht.

Das hat mir dann als Faschd-Dachtraufschwob den „Tatort: Tote Erde“ doch wieder sympathisch gemacht, auch wenn das Reigschmeggde vielleicht nicht so sehen. Nicht zu vergessen: Den Richy Müller als Ermittler Lannert sehe ich auch gerne. Vor allem in seinem alten Porsche. Bei mir reicht’s halt nur zum alten Golf II. Fernsehpolizist sollte man sein. Sell wär e Bläsier. Gell?

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