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© Fotolia/Dietz
22.12.2014

PZ-zapp: Seelenloses Jugend-forscht-Ermittlertrio im "Tatort" aus Erfurt

Ich werde wohl so schnell kein Freund der „Tatort“-Nachwuchstruppe aus Erfurt. Die Jugend-forscht-Abteilung der Sonntagabend-Ermittler versprüht den Billig-Kulissen-Charme der RTL-Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und spielt so geschniegelt und keimfrei, dass alles im „Tatort: Der Maulwurf“ unecht und leblos wirkt.

Da wünscht man sich eineinhalb Stunden lang die zerknautschten Gesichter und psychotischen Macken der gereifteren Polizeikollegen auf die Mattscheibe zurück. Doch der ARD-Dauerbrenner ist kein Wunschkonzert, sondern eine Wundertüte, aus der man eben auch Dinge herausholt, die nicht an- oder aufregen, bei denen sich so gar nichts regt.

Dass die Erfurter so jung anmuten, als sei die Ermittlertruppe ein im Polizeiapparat vergessener Haufen von gerade der Schule entsprungenen Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres, ist ja nicht ihre Schuld. Dass sie so glatt spielen, dass man nach den ersten Minuten das wahre Leben, das Echte vermisst und das auch zum Ende hin nicht findet, ist dann doch lästig. Bei diesem „Tatort“ aus Erfurt fehlte mir die Aura des Besonderen, des Bewegenden.

Zu allem Überfluss ermittelt das Trio (nein, es sind nicht „die drei ???“ aus der guten alten Zeit der lesenden Kinder und der Hörspielkassetten) ständig gemeinsam - und die Kamera hat nichts Besseres zu tun, als immer wieder über die brav nebeneinander gereihten leeren Gesichter zu schwenken. Wenn die wenigstens einmal Angst oder Bestürzung oder Erleichterung zeigen würden, aber das bleibt alles so seelenlos wie bei Minimalmime Til Schweiger, dessen nächster „Tatort“ uns ja auch noch droht.

Wo sind sie gewesen, die für viele „Tatort“-Filme typischen Blicke in die seelischen Abgründe, in den ganzen gesellschaftlichen Müll, mit dem sich die Ermittler sonst herumschlagen müssen? Gut, wer es nicht so bedeutungsschwanger und politisch mag, hätte sich ja am spannenden Plot vergnügen können. Aber die Geschichte von dem eiskalt mordenden Zuhälter, der bei der Beerdigung seines Vaters in Handschellen flieht, verliert schnell an Fahrt. Zu schmierig ist der Superbulle, der als Dozent die Ermittlerjugend schult und den fürsorglichen Kriminalbeamten spielt. Da weiß man als geschulter „Tatort“-Zuschauer gleich, dass der am Ende der Bösewicht sein muss.

Das ganze Hin und Her mutet sehr bemüht, sehr konstruiert an. Gibt es denn keine spannenderen, weil lebensnah-echte Themen aus Thüringens Hauptstadt des Bösen? Vielleicht wäre mehr Lokalkolorit, mehr Thüringen ein Ausweg. Vielleicht reift das Trio auch schneller als gedacht zu einem Ermittlerteam mit Ecken und Kanten, an denen man sich als Zuschauer reiben kann. So habe ich mir am Sonntagabend nur die müden Augen reiben müssen, um nicht auf der Couch die Mitseher durch mein Schnarchen aufzuschrecken.