nach oben

TV-Kolumne PZ-zapp

27.05.2013

PZ-zapp: Spannender "Tatort" aus schwabenfreiem Stuttgart

Die Schwaben können auch anders als betulich und bieder. Der Stuttgarter "Tatort: Spiel auf Zeit" entpuppt sich sogar als richtiger Gangsterfilm mit einer ordentlichen Portion Action, ohne zu brutal und bluttriefend zu werden, mit zahlreichen überraschenden Wendungen und einem Plot, der zuweilen und vor allem am Ende ein bisschen sehr konstruiert wirkt, aber doch so viel Spannung bietet, dass der PZ-zapp-Daumen lobend nach oben zeigt.

Bildergalerie: "Tatort"-Kommissare Lannert und Bootz in Nöttingen

Umfrage

Sollte im Stuttgarter "Tatort" endlich einmal Schwäbisch gesprochen werden?

Ja 71%
Nein 11%
Mir egal 18%
Stimmen gesamt 63

Dass der „Tatort“ in Stuttgart spielt, vermag man als Nachbar aus Pforzheim an diversen Details erkennen, dass hier in der Schwabenmetropole ermittelt wird, hört man aber nicht. Richy Müller als Kommissar Lannert und Felix Klare als Kommissar Bootz sind wirklich nette Kerle, die man gerne als Kriminalistengespann sieht, die sich aber auch beharrlich weigern, ebbes schwäbisch zom schwätza. Warum darf nicht wenigstens einmal eine Nebenrolle, wie in anderen „Tatort“-Folgen auch, den lokalen Dialekt pflegen?

Obendrein müssen sich die Stuttgarter auch noch im Badischen an originellen Örtlichkeiten für ihren „Tatort“ bedienen. Die Kneipe „Golda“, in der ein die Ehe für ein allzu sicheres Bündnis haltender Bootz die Trennungswünsche seiner Frau anhören muss, heißt in Wirklichkeit „Gold“ und steht in der Karlsruher Oststadt.

Bildergalerie: Stuttgarter Tatort-Team ermittelt zum zehnten Mal

Egal. Der Sonntagabend-Familienkrimi war spannend. Richtig böse, gleich losballernde Gangster, die es gewohnt sind, mit großen Waffen große Dinger zu drehen, verbünden sich mit einem ehemaligen Waffenhändler im Knast (dort hinein kam er einst durch Undercover-Ermittler Lannert) zu einem aufwändig konstruierten Coup. Da wird dann eine Geiselbefreiung auf einem Wohnwagenplatz und eine Jagd über den Dächern von Stuttgart zu einem kalkulierten Spiel mit den Ermittlern, die glauben, einen Fall aufzuklären und dabei doch nur Marionetten der Gangster sind.

Bildergalerie: Immer mehr Kommissare an immer mehr "Tatorten"

Lannert, vereint mit dem Waffenschieber durch Handschallen und eine alte Männerfreundschaft, verhilft dem Mastermind hinter dem genialen Coup sogar unfreiwillig zur Freiheit. Lieber weiterhin gebunden bleiben will dagegen Kollege Bootz, den die Trennungsbotschaft von seiner Frau so mitnimmt, dass er schon mal einen Verbrecher etwas länger prügelt als unbedingt nötig und vom Gesetz erlaubt. Nur den neuen Freund seiner Frau kann er nicht schlagen, denn der sitzt im Rollstuhl. Das ist zwar überraschend, aber irgendwie auch ein bisschen an den langen Bootz-Haaren herbeigezogen.

Bildergalerie: 40 Jahre Szenen aus dem "Tatort"

Aber für solche Nebenkriegsschauplätze bleibt nicht viel Zeit. Die aggressiven Verbrecher, die immer irgendwie einen Schritt voraus zu sein scheinen, fordern die ganze Aufmerksamkeit der Kommissare. Denen läuft die Zeit davon. Wie Richy Müller und Felix Klare den Fall letztlich lösen, ist spannend und vor allem auch in den Nebenrollen gut gespielt. So macht der „Tatort“ aus einem von allem Schwäbischen befreiten Stuttgart Spaß.