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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
25.01.2016

PZ-zapp: Striesow kämpft im Saar-"Tatort" mit der "Totenstille"

Ganz schön anstrengend. Die einen reden, die anderen hören es nicht, und wenn die anderen sich artikulieren, dann können es die einen nicht verstehen. Es sei denn, es steht jemand dabei, der mit der Gebärdensprache Ungehörtes verständlich macht, bzw. diverse Bewegungen von Hand und Lippen in gesproche Sprache übersetzt. Der „Tatort: Totenstille“ war vielleicht nicht die sensibelste, vielschichtigste Einführung in die Welt der Gehörlosen, doch konnte er andeuten, mit welchen Schwierigkeiten man in dieser Gruppe zu kämpfen hat. Und spannend war er auch noch.

Gestörte Kommunikation muss nicht mit Taubheit zusammenhängen. Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) ist ein Beispiel dafür: nicht sonderlich teamfähig, nicht sonderlich gesprächig, nicht sonderlich am Gedankenaustausch interessiert, kann sich mit seinen Kollegen nur im Befehlston unterhalten. Ob er aus den Ermittlungen gelernt hat? Der Saarbrücker Ermittler wird wohl der Einzelgänger bleiben, auch wenn zum Filmende ein Küsschen eine ganz vorsichtig aufkeimende Zweisamkeit angedeutet haben könnte.

Und so hetzt der Rollerfahrer von einer Frauenleiche zur nächsten, freundet sich mit Verdächtigen und Erpressern an, lernt rudimentär die Gebärdensprache, spürt den Sinneserfahrungen eines Gehörlosen nach und löst den Fall vor allem durch Intuition und Nachdenken, wenn man von den ihm zugetragenen Erkenntnissen seiner Kollegen einmal absieht. Man muss die stellenweise leicht autistisch anmutende Stellbrink-Art mögen, sein Ausklinken aus dem Alltäglichen, dem Erwarteten, um den Saarbrücker „Tatort“ schätzen zu können.

Dieses Mal läuft SM-Sex mit Amphetaminen und Würgen aus dem Ruder. Der verheiratete Mann beseitigt die Leiche mit Hilfe eines Verwandten, der vom Opfer schon einmal wegen eines Sexualdelikts angezeigt wurde. Ein Gehörloser bekommt ein eindeutiges Handytelefonat mit, weil er von den Lippen des Mannes ablesen kann. Das bietet die Chance auf eine Erpressung. Die funktioniert, doch die selbst gehörlose Freundin des Erpressers will in einer Waldhütte das Geld nicht annehmen. Am nächsten Morgen ist sie tot. Während die Beamten bald herausfinden, dass die beim Sex gestorbene und im Fluss gefundene Frau nicht erwürgt wurde, sondern einen Herzinfarkt wegen der Medikamente erlitten hatte, sucht Stellbrink in immer neuen, überraschenden Wendungen, die immer neue Tatverdächtige in den Fokus rücken, nach dem Täter.

Das ist recht unterhaltsam, durchaus spannend und bietet rudimentäre Einblicke in den Alltag der Gehörlosen. Stellbrink stößt dabei an die Grenzen der Kommunikation, manchmal durchaus mit einem Augenzwinkern, manchmal etwas platt, meistens mit der für ihn typischen Unfähigkeit, Mitgefühl entwickeln zu können. Zum ganz großen „Tatort“ reicht es allerdings nicht, aber immerhin ist ein Mittelmaß-Daumen fällig.