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TV-Kolumne PZ-zapp

© Marc Dietz
28.04.2013

PZ-zapp: Superstart für neuen Hamburger "Tatort"-Bullen

Nachdem sich Schützenkönig Til Schweiger alias "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller als einsilbiger Mimikverweigerer durch Hamburg geballert hat, fürchtete ich Schlimmes. Auch „Tatort“-Neuling Wotan Wilke Möhring ermittelt nämlich in der Hansestadt. Doch sein Kommissar Thorsten Falke hat es nicht nötig, im Minutentakt die Beerdigungsinstitute zu beliefern, um spannend zu sein.

Bildergalerie: Wotan Wilke Möhring überzeugt im neuen Hamburger "Tatort"

Wotan Wilke Möhring – der Name klingt schon so friesisch herb, das passt in den Norden. So heißen die Jungs aber wohl eher in Hamburg-Blankenese, dort wo die guten Bürger wohnen, sich über ihre brennenden Autos aufregen und eine Bürgerwehr formen. Aber im Film kommt der neue ARD-Sonntagabend-Ermittler aus Hamburg-Billstedt, dort wo die Autozündler in Betonklötzen leben, sich beim Streetball prügeln und in ihrer Verzweiflung auch mal einem anderen das Teppichmesser in den Hals rammen.

Und damit wären auch schon die Eckpunkte von "Tatort: Feuerteufel" beschrieben. Hier geht es um das Leben auf der Straße, und Kommissar Falke spricht die Sprache der Straße. Er muss daher gar nicht dem kahlköpfigen Jogginghosen-Streetballer im Betonsilokeller den Unterkiefer zertrümmern oder ihm die Pistole unters gebrochene Nasenbein schieben. Er droht ihm einfach nur mit dem fingierten Ende seiner Street-Glaubwürdigkeit und der Junge spurt. Da hätten bei Til Schweiger schon längst wieder die Colts geraucht.

Gut, dass es auch anders geht. Und Falke, der (mal wieder) einsame Bulle mit dem richtigen Riecher und dem Herz am rechten Fleck, kann sich auf sein Team verlassen, auch wenn sein langjähriger Partner, der die Gutmütigkeit in Person spielende Hüne (Sebastian Schipper) gerade eine andere Stelle angetreten hat, und die hübsche, letztlich doch nicht so naive und unbedarfte Hospitantin (Petra Schmidt-Schaller) öfter wiederspricht als es Falke lieb ist.

Man kann dem Hamburger "Tatort: Feuerteufel" mit viel Bösartigkeit ein, zwei Unstimmigkeiten beim Plot oder die zu ausgiebige Pflege von Klischees vorwerfen, aber wen interessiert das schon, wenn man hier einen brandneuen „Tatort“-Kommissar gefunden hat, der rundum zu überzeugen vermag. Da glaubt man doch schon fast wieder an das Gute in der Welt und bei der ARD, wenn man weiß, dass Til Schweiger nur einmal im Jahr seinen Action-Trash abliefern darf, während Wotan Wilke Möhring zweimal ran darf. Qualität setzt sich eben doch durch.

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