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27.02.2017

PZ-zapp: „Tatort: Babbeldasch“ - ein gescheitertes Regieexperiment

Aufgeschlossen gegenüber Neuem zu sein gehört zur Grundausrüstung eines Redakteurs. Gleiches gilt für Deutschlands dienstälteste und beliebteste Krimireihe. Der „Tatort“ wurde immer wieder als Experimentierfeld und Spielwiese genutzt. Zuletzt beim Ludwigshafener „Tatort: Babbeldasch“. Filmemacher Axel Ranisch wollte Neuland betreten und seinen Krimi ohne ausformuliertes Drehbuch und mit viel Improvisation drehen. So sah das Ergebnis dann auch aus. Eineinhalb Stunden verschenkte Zeit.

Gleich vorweg: Mir gefallen die Ludwigshafener „Tatort“-Filme besser, wenn Kommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) recht oft sein zerknautschtes Gesicht mit dem treuen Dackelblick und der gelegentlichen Böser-Bube-Miene in die Kamera hält. Wenn er das Ermittlerteam verlässt, was der „Tatort: Babbeldasch“ andeutete, wird es wohl so richtig öde im Westen von Mannheim. Seine Kollegin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) wirkte zuletzt irgendwie müde, genervt. Daran änderte sich auch nichts durch Drehbuchabstinenz und Improvisation.

Lust auf Neues, auf TV-Wagnisse, auf Regieversuche ist das Eine. So viel Fernsehfreiheit muss sein. Das Andere sind gescheiterte Experimente, die man besser im öffentlich-rechtlichen Medien-Giftschrank versteckt als sie zur besten Sendezeit zu präsentieren. Der Krimi in der Mundarttheater-Szene, in der Biedermänner und Brandstifter wie eine Schar regelmäßig Tranquilizer schluckender und holzschnitthaft gezeichneter Figuren ihre Textzeilen vortrugen, mutet in der Tat wie eines jener vielen Laientheater an, die Opfer ihrer eigenen hehren Ambitionen werden. Am Ende quälen diese Amateurgruppen den Zuschauer nur noch durch pseudo-intellektuelle Witz- und Spannungslosigkeit.

Alles wirkte im „Tatort: Babbeldasch“ so quälend laienhaft und so schmerzlich langweilig. Die Erscheinung des Geistes der ermordeten Theaterchefin Sophie Fettèr (Malou Mott) als penetrante Mahnerin in den Tag- und Nachtträumen von Lena Odenthal kam zum Beispiel so amateurhaft daher, dass man sich fragt, ob dieser Krimi nicht von allen guten Geistern verlassen wurde. Diesem blutleeren Improvisations-Experiment zuschauen zu müssen, war grausam und reine Zeitverschwendung.

 

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