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TV-Kolumne PZ-zapp

© Marc Dietz
14.05.2012

PZ-zapp: "Tatort: Der Wald steht schwarz und schweiget"

Eines hat der "Tatort" am Sonntag auf jeden Fall bewirkt. Demnächst einmal werde ich einen Familienurlaub im Pfälzer Wald einplanen. Dort kann man noch richtig wilde Natur erleben, Abenteuer pur zwischen Felsen und einem Meer an Bäumen, mit kleinen Seen, weiten Ausblicken, versteckten Burgruinen. Und weit und breit nichts als Grün. Richtig entspannend.

Ganz so relaxt konnte Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ihren unfreiwilligen Ausflug in den Pfälzer Wald allerdings nicht erleben. In der Folge "Tatort: Der Wald steht schwarz und schweigt" wurde sie von einer Gruppe krimineller Jugendlicher als Geisel genommen. Aber irgendwie hatte man nie den Eindruck, als sei das wirklich extrem gefährlich für sie. Die schweren Jungs, die sich im Laufe des Outdoor-Adventures mit Survival-Schnellkurs fast schon als sympathische Leichtgewichte entpuppen, zeigen zwar immer wieder ihre unberechenbare, spontan ausbrechende Aggressivität und Gefährlichkeit, aber man hat auch Mitleid mit ihnen.

Kaputte Jugend. Irgendwann alleine gelassen, durch ihre verkorkste Kindheit gehandicapt in ein Leben geworfen, das ihnen keine Heimat, keine Chance bietet. Aber sie haben ja noch wenigstens sich selbst, auch wenn sie sich gegenseitig beleidigen oder an die Gurgel gehen. Ihre Böse-Buben-Ehre, die schon die Dumas-Romane über die "Drei Musketiere" geprägt hat, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Einer für alle, und alle für einen. Ganz schön romantisch.

Da fällt es der Kommissarin nicht schwer, Sympathien für ihre Geiselnehmer zu entwickeln und sich rührend um sie zu kümmern. Zumal der Tote - ein Betreuer, der die Jugendlichen im Stile eines US-Bootcamps in die Wildnis führt und von ihnen bedingungslosen Gehorsam und den wahren Teamgeist fordert - quasi selbst die Schuld an seinem Tod trägt. Er hat einen herzkranken Jugendlichen in den Tod gehetzt. Wer letztlich den Betreuer von einem Felsen gestürzt hat, bleibt offen. Die Gang hat schließlich ihren Ehrenkodex. Entweder waren es alle oder keiner.

Das alles erfährt man nach und nach, so wie man auch die Schwächen der Jugendlichen kennenlernt. Das Ende ist absehbar, die Spannung mäßig, aber trotzdem bleibt dieser "Tatort" noch eine Weile im Gedächtnis haften. Eine andere Geschichte, ein anderer Ort, junge Menschen und ihre Probleme und Hintergründe - das konnte man sich schon bis zum Ende anschauen, auch wenn vielleicht eine Prise zu viel Sozialkitsch eingestreut wurde. Und dann war da ja noch der schöne, ursprüngliche, verlockende Pfälzer Wald. Thomas Kurtz

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