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TV-Kolumne PZ-zapp

07.05.2012

PZ-zapp: "Tatort: Die Ballade von Cenk und Valerie"

Aha. So einfach ist das also, den Bundeskanzler als Geisel zu nehmen. Das hätte die todkranke Valerie (Corinna Harfouch) ja auch wirklich selbst machen können. Gut, die weltweit am meisten gesuchte Profikillerin ist nach 22 Jahren Mutterschaftsurlaub in einer Hütte im Wald etwas aus der Übung gekommen. Außerdem hustet und röchelt sie erbärmlich. Aber wie sich die autistische Mutter ins Netzwerk des Bundeskriminalamts eingeschleust und den verdeckten Ermittler Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) zum Attentäter wider Willen gemacht hat, zeugt von eiskalter Cleverness. Dagegen wirkt ihr Mord-Auftrageber, das mit Aktien jonglierende Kasperle auf Koks (Christopher Letkowski), nur wie ein braver Bube.

Sie haben den ersten Abschnitt dieser TV-Kritik tatsächlich ganz gelesen? Und sie warten immer noch auf einen Sinn? Eben genau so erging es mir am Sonntagabend vor dem Fernseher. Sonntags ist Tatort-Tag. Aber diesen Sonntag wäre es vielleicht ergiebiger gewesen, wenn ich endlich meine Küche aufgeräumt hätte. Hätte genau so wenig Spaß gemacht wie der „Tatort: Die Ballade von Cenk und Valerie“, wäre aber sinnvoller gewesen.

Da hat doch hinten und vorne nichts gestimmt und nichts zusammengepasst. Ein überambitionierter Plot, reif fürs große Kult-Kino, die genialische Sinn(bild)-Suche, die den Blick aufs Böse weit öffnet und dabei kleine Details und die Realität außer Acht lässt. Die bedeutungsschwanger in Zeitlupe daherkommenden ersten Szenen - Liebelei im Meer, Posing in den Lavafeldern Lanzarotes, Rückblicke, Geiselnahmen-Chaos - nerven. Eine Metapher nach der anderen, melodramatische Bilder, effektvoll umgerührt und dann auf dem Herd vergessen.

„Die Ballade von Cenk und Valerie“ sollte der großartige Abgang für den Super-Cop Cenk Batu sein. Doch der Abschied wirkte eher etwas verkrampft und arg bemüht. Leider.

Das Schlimmste allerdings steht uns noch bevor. Der unsägliche, pflichtcoole Dauernuschler Til Schweiger mimt bald den Superbullen im Hamburger „Tatort“. Schade, dass Mietkillerin Valerie am Sonntag im Fernsehen gestorben ist. Die Todkranke hätte man locker noch einmal auf den gewiss unterlegenen Schweiger hetzen können. Wenigstens das hätte dann Sinn gemacht. Thomas Kurtz

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