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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
18.12.2017

PZ-zapp: "Tatort: Dunkle Zeit" - endlich mal wieder mit gesellschaftlicher Brisanz

Es dauert nicht lange und man sieht im „Tatort: Dunkle Zeit“ Frauke Petry in einer der Hauptrollen. Die Rechtspopulistin heißt zwar im Film Nina Schramm, ist das politische Aushängeschild der Neuen Patrioten und wird von der sehr überzeugend, weil nicht zu platt agierenden Anja Kling gespielt.

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Aber schnell wird klar: In diesem „Tatort“ mit BKA-Ermittler Falke (Wotan Wilke Möhring) scheint die immer weiter nach rechtsaußen abgleitende AfD und ihr in Richtungswechseln verschlissenes Personal Pate für einen spannenden Krimi und ein besorgt stimmendes Gesellschaftsbild gestanden zu haben.

Es ist wie so oft im Leben. Die, die so vehement Wasser predigen, saufen dann doch lieber Wein. Die, die in der Europäischen Union einen wichtigen Grund für den Untergang des – deutschen – Abendlandes sehen, zocken auf dubiose Art Millionen für die eigene Anti-EU-Partei ab. Die, die den „Alt-Parteien“ dunkle Machenschaften vorwerfen, schmieden selbst die übelsten Komplotte. Und die, die den „Mainstream-Medien“ Verschweigen und Vertuschen vorwerfen, sind die ersten, die bewusst Falschmeldungen und gezielt Hetze verbreiten. Die Neuen Patrioten handeln so, als sei es üblich, mit mafiösen Strukturen und einer gnadenlosen Ellenbogen-Mentalität Politik zu machen. Und das alles im Namen des Volkes, das freilich mit großer Mehrheit (noch) nicht die Neuen Patrioten gewählt hat. Das hindert deren Protagonisten jedoch nicht daran, sich als Sendboten und Vollstrecker eines deutschen Volkswillens zu sehen, den sie zuvor selbst definiert haben.

Anfangs bleibt es noch offen, ob die Autobombe, die den Ehemann der Rechtspopulistin Schramm getötet hat, von Linksautonomen und Antifaschisten oder von Handlangern seiner Frau, ihres Liebhabers oder einer im Hintergrund agierenden Gruppe völkischer Propheten platziert wurde. Bald jedoch wird klar: Die Neuen Patrioten sollen gezielt nach rechts gesteuert werden – und wer nicht mitzieht, wird geopfert.

Auch hier mag das AfD-Personalkarussell Pate gestanden haben. Wer war noch mal Bernd Lucke? Den AfD-Gründer hatte Frauke Petry eiskalt abserviert. Jetzt hat es sie selbst getroffen – da hinkte der „Tatort“ den aktuellen Ereignissen allerdings hinterher. Und wer weiß, wie lange noch Jörg Meuthen ein konservatives Gegengewicht zu den Rechtspopulisten Björn Höcke oder Alexander Gauland sein kann. Auch für diese Politiker gibt es im Krimi Figuren mit hohem Identifikationspotenzial. Am Ende fliegt die Verschwörung der geistigen Brandstifter auf. An der Teflon-Politikerin Nina Schramm aber perlt das alles scheinbar wirkungslos ab. Die Im-Namen-des-Volkes-Show geht weiter. 

Spannend sind die Dialoge, wenn etwa die Neue-Patrioten-Chefin mit Kommissar Falke in spaltender Schwarzweiß-Manier über Fremde in unserem Land spricht, diese pauschal für alles Übel verantwortlich macht und der BKA-Ermittler mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen dagegen hält. Da werden auf ganz einfache Art die Parolen der Rechtspopulisten als leere Worthülsen entlarvt.

Der „Tatort: Dunkle Zeit“ ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie brisant so ein Sonntagabendkrimi in der ARD sein kann, wie sehr eine Mörderjagd ein Bild unserer Gesellschaft zu zeichnen vermag. So etwas hat den „Tatort“ über viele Jahre hinweg geprägt, das hat diesen Fernsehkrimis eine Ausnahmestellung im deutschen Feierabend-TV beschert. Und das hat man zuletzt doch etwas vermisst. Ein starker Film, der nur eine PZ-zapp-Wertung kennt: Daumen hoch für einen mutigen Krimi, der bei allem Pathos doch Haltung beweist.

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In der ARD-Mediathek ist der „Tatort: Dunkle Zeit“ noch bis zum 16. Januar 2018 abrufbar.

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nanos
19.12.2017
PZ-zapp: "Tatort: Dunkle Zeit" - endlich mal wieder mit gesellschaftlicher Brisanz

Dieser positiven Bewertung des Tatorts möchte ich aus Gründen der Ausgewogenheit folgende Kritik gegenüberstellen. [URL]http://vera-lengsfeld.de/2017/12/18/der-tatort-als-gehirnwaesche-2/[/URL] mehr...

ROSAROT
19.12.2017
PZ-zapp: "Tatort: Dunkle Zeit" - endlich mal wieder mit gesellschaftlicher Brisanz

[QUOTE=nanos;291966]Dieser positiven Bewertung des Tatorts möchte ich aus Gründen der Ausgewogenheit folgende Kritik gegenüberstellen. [URL]http://vera-lengsfeld.de/2017/12/18/der-tatort-als-gehirnwaesche-2/[/URL][/QUOTE] Klar doch. Daß Ihnen und der Berufs - DDR - Geschädigten Vera Lengsfeld dieser Inhalt nicht gefallen hat, ist selbstredend. Doch ganz ehrlich: Die Handlung war sicherlich manchmal leicht übertrieben, aber stellenweise trotzdem echt beklemmend. mehr...

nanos
19.12.2017
PZ-zapp: "Tatort: Dunkle Zeit" - endlich mal wieder mit gesellschaftlicher Brisanz

Keine Spur der Verwunderung über einen Krimi als politischen Botschaftsträger? Ich finde es recht gut wenn im Tatort auch aktuelle Probleme berücksichtigt werden, aber bitte nicht so, wie in diesem Fall. Denn die gesellschaftliche Brisanz eines Themas sollte tatsächlich gegeben sein und nicht vornehmlich aus Übertreibungen, Behauptungen und wilden Spekulationen zusammen konstruiert werden, die dann das gewünschte beklemmende Bild erzeugen. Ein bisschen übertrieben nennen Sie ...... mehr...

ROSAROT
19.12.2017
PZ-zapp: "Tatort: Dunkle Zeit" - endlich mal wieder mit gesellschaftlicher Brisanz

....................... sagte ein Interessenvertreter der AfD. Seltsam "offene" Botschaft !! Wer ist hier "plump", ja dreist ????? Sie übertreffen ja noch den Präsidenten Trump mit seiner offenen Wahrheitsliebe............................................. mehr...