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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
09.10.2017

PZ-zapp: "Tatort: Hardcore" - so wenig gefühlsecht wie das Sexfilm-Business

Dass Sex so anstrengend sein kann. Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) müssen im „Tatort: Hardcore“ im Pornofilm-Geschäft ermitteln. Eklige, verklemmte oder ausbeuterische Typen, anonymes Gruppengerammel, Orgasmus im Akkord, artistische Verrenkungen, als echte Männerphantasie aufgebauschte Pubertätsträume und das alles auf DVDs, die keiner kaufen will, weil sich alle die kleinen Videos im Gratis-Internet anschauen. Ein schwieriges, schmieriges Geschäft mit einer Toten – und leider nur ein mittelmäßiger Krimi.

Ich werde wohl kein Freund mehr der beiden weißhaarigen Ermittler. Auch in diesem „Tatort“ wirken sie irgendwie blass. Batic kann sich maximal noch an die heute nur noch doof statt sexy wirkenden Dirndl- und Lederhosen-Pornofilmchen mit den tapsigen Bauernschädeln und den feschen wie forschen Madeln aus der großen Stadt erinnern, als sich der aktuelle „Traumschiff“-Kapitän Sascha Hehn und die „Klimbim“-Ulknudeln Ingrid Steeger und Elisabeth Volkmann noch vor der Filmkamera auszogen, als Liedermacher Konstantin Wecker noch mit Annemarie Wendl, der Else Kling aus der „Lindenstraße“, im Nackte-Tatsachen-Streifen „Unterm Dirndl wird gejodelt“ spielte. Heute gibt es kein Gezappel in malerischer Alpenkulisse, heute heißen die Themen Gangbang oder Bukkake und gedreht wird an billigen Sets.

Batic scheint das alles nicht so richtig zu verstehen, Leitmayr ist da näher am Thema dran. Und er hatte sogar die Chance, mittendrin, statt nur dabei zu sein. Das ist wahrscheinlich die beste und witzigste Szene des Films, als Leitmayr in einem Nebenzimmer im Haus eines Sexfilm-Produzenten auftaucht, dort zwei nackte Darsteller an einem Tisch sitzen, vespern, sich darüber beschweren, dass sie schon eine halbe Stunde lang auf Stand-by sein müssen, weil ein dritter Mann fehlt. Das Angebot an Leitmayer, doch im Film mitzumischen, lehnt er ab, ebenso den Handschlag mit einem der Wartenden, der sich die ganze Zeit ungeniert unterm Tisch an seinem wichtigsten schauspielerischen Accessoire herumrubbelt.

Und der Rest des Films? Es gibt ein paar Schmunzelmomente, aber so richtig Krimi-Spannung baut sich nicht auf. Gruselig ist allenfalls die Orgie gegen Ende des „Tatorts“, weil sie in ihrer massenhaften Rammelei doch eher abstoßend und armselig wirkt und selbst Freigeister traurig zu stimmen vermag. So eine Art Ballermann ohne Eimersaufen und ohne Höschen. Auch das sonstige Schauspieler-Personal des „Tatort: Hardcore“ wirkt nicht immer wirklich überzeugend, was wohl an der etwas bemüht konstruierten Handlung liegt. Mitfühlen mit Opfern, Tätern oder Ermittlern geht anders. Die Geschichte ist so wenig gefühlsecht erzählt wie es das Pornogeschäft in all seinen Facetten ist.

Mehr als nur Mittelmaß ist das nicht.

Wer sich selbst ein Bild vom „Tatort: Hardcore“ machen will, kann sich den Film noch bis zum 7. November in der ARD-Mediathek anschauen. Aus rechtlichen Gründen ist das aber nur abends von 20 Uhr bis morgens 6 Uhr möglich.