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© Fotolia/Dietz
12.05.2014

PZ-zapp: "Tatort: Ohnmacht" und die emotionslose Jugend

Nach all den Scherzbolden und Durchgeknallten hat es am Sonntag einmal wieder richtig gut getan, zwei gestandene, mit den Zuschauern seit Jahren gemeinsam alt gewordene „Tatort“-Kommissare erleben zu dürfen. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) kämpfen zwar auch mit ihrem Privatleben, doch eher auf eine vertraut realistische Art. Und so sind auch ihre Fälle eher von Realismus geprägt. Aber genau das macht den „Tatort: Ohnmacht“ so bedrückend, so beängstigend, so düster.

Alle lesen von den Überfällen, in denen Minderjährige einfach aus Lust oder Frust zuschlagen, oft auch töten, die Opfer selbst minderjährig oder zufällig einschreitende Helfer sind. Quälen, erniedrigen, verletzten, ins Koma prügeln und alles mit dem Handy filmen – das sind Nachrichten, die, so scheint es, täglich in Deutschland gemeldet werden. Die Angst ist groß. Nicht nur bei Frauen, die abends in Unterführungen oder Tiefgaragen, in Bussen oder S-Bahnen nur mit klopfendem Herzen unterwegs sind.

Wer nicht direkt zum Opfer wird, erlebt vielleicht die Ohnmacht des Augenzeugen, der sich aus den verschiedensten Gründen nicht traut, einzuschreiten. Und wer hilft, muss sich selbst auf Angriffe oder Häme gefasst machen. Ballauf greift in einem Kölner U-Bahnhof ein und entkommt nur knapp dem Tod. Der Junge mit Geigenkoffer, dem er helfen wollte, liegt im Koma. Das ist schrecklich, aber es kommt noch schlimmer.

Ballauf und Schenk ermitteln in den Familien der jungen Täter – und diese Hilflosigkeit der Eltern, ihre Ohnmacht, ihr Versagen wirkt letztlich besonders düster. Was ist da schief gelaufen? Warum haben Eltern keinen Zugang mehr zu ihren Kindern, warum haben sie Angst vor ihnen? Gibt es denn keinen Ausweg, keine Hoffnung für eine Verständigung?

Und wie sollen die Kinder und Jugendlichen von ihrer angestauten Wut auf alles und alle ablassen, von ihrer immer kurz vor einem unkontrollierten Ausbruch stehenden Aggressivität? Sind sie wirklich so emotionslos und abgebrüht oder ist ihre Gefühlswelt nur verkümmert, fehlgeleitet?

Antworten darauf sind nie schnell und nie allumfassend befriedigend zu finden. Es macht den „Tatort: Ohnmacht“ zu einem guten Film, dass keine allgemein gültigen Erklärungen und Patentrezepte zur Lösung der Krise gegeben werden. Die jugendlichen Täter sehen aus wie ganz normale, nette junge Menschen. Sie leben in Familien, wie es sie überall gibt, wo zwischen Eltern und Nachwuchs nur noch Sprachlosigkeit herrscht, wo die Leben der beiden Generationen keine Verbindung mehr haben.

Die Kölner Ermittler sind immer dann am besten, wenn es so richtig düster wird, wenn sie uns Einblicke in die Abgründe des Lebens geben, wenn sie uns ratlos mit unseren eigenen Ängsten zurücklassen. Hoffentlich gehen Ballauf und Schenk so schnell noch nicht in „Tatort“-Rente.