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11.01.2016

PZ-zapp: "Tatort: Rebecca" überzeugt als intensiver Psychokrimi

Eigentlich ist es immer noch unfassbar. Da werden Kinder entführt und jahrelang im Keller eines Wohnhauses gefangen gehalten und sexuell missbraucht. Doch spätestens seit dem mehrfachen Kinder- und Frauenmörder Marc Dutroux aus Belgien und dem Österreicher Josef Fritzl, der seine eigene Tochter im Keller mehrfach schwängerte und auch deren Kinder dort einsperrte, ist so ein Fall wie im „Tatort: Rebecca“ – leider – kein bloßes Fantasieprodukt. Im vorletzten Bodensee-„Tatort“ glänzte vor allem das junge, versklavte und missbrauchte Entführungsopfer (Gro Swantje Kohlhof).

Sie spielte so intensiv, dass man ihr den Abnabelungsprozess von ihrem sadistischen „Erzieher“ abnimmt, auch wenn das Lösen von solch einem Peiniger und seiner eigens zum Machterhalt selbst konstruierten und rigiden Welt aus Befehlen und Verboten in der Realität wohl nicht in gewohnter „Tatort“-Eile stattfindet. Es schmerzt zu sehen, wie sich das Opfer in absolutem Gehorsam selbst kontrolliert und bestraft. Gro Swantje Kohlhof gelingt die glaubhafte Darstellung ihrer Umprogrammierung hin zu einem freien Menschen, der die Freiheit des Denkens nicht als Ungehorsam, sondern als Geschenk versteht.

Neben ihr durfte der sonst oft etwas nassforsche, unsensible, auch schnöselige Kommissar Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) die Hauptrolle spielen, während seine Kollegin Klara Blum (Eva Mattes) ungewohnt blass und im Hintergrund blieb. Irrte Griesgram Perlmann zuletzt eher lustlos und mit angezogener Handbremse durch den Konstanzer „Tatort“, so kann er in diesem vorletzten Bodensee-Krimi (die letzte Episode wird bereits gedreht und soll noch 2016 gesendet werden) doch etwas mehr zeigen.

Seine aggressive, rüde Art verschafft ihm zunächst den Zugang zu Rebecca. Er wird ihr neuer „Erzieher“, der etwas überfordert versucht, den richtigen Ton zu finden. Zum echten Sadisten ist er also nicht geboren.

Während Rebeccas Fall schnell aufgeklärt zu sein scheint, wird bald deutlich, dass es noch ein zweites entführtes Mädchen und einen zweiten Peiniger gibt. Wie sich am Ende alles aufklärt, ist solide gemacht. Die große Spannung aber ergibt sich aus dem bewegenden Spiel von Gro Swantje Kohlhof, die sich überzeugend von einer scheinbar dem Wahnsinn gehörenden, willenlosen Sklavin hin zu einer vielleicht bald schon selbstbestimmt lebenden jungen Frau wandelt.

Nach der blutigen Abknallorgie eines unverwundbaren Superhelden Nick Tschiller (Til Schweiger) zeigt der „Tatort: Rebecca“, dass Spannung auch ohne Hochgeschwindigkeits-Effekthascherei auskommt. Dafür hat der Bodensee-Krimi noch einmal ein „Daumen hoch“-Urteil verdient.

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