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23.11.2015

PZ-zapp: "Tatort: Spielverderber" mit Fliegerkitsch und One-Night-Stands

Fliegen kann so richtig Spaß machen. Und man kann auch mit Fliegern Spaß haben. Das dürften so die wichtigsten Erkenntnisse aus dem "Tatort: Spielverderber" sein. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) muss auf einem Luftwaffenstützpunkt den Tod der Ex-Frau eines Piloten untersuchen, darf im Flugsimulator mit einem Oberst (Richard van Weyden) Trockenübungen machen und ihm später bei einem intimen Höhenflug ganz nahe kommen. Am Ende folgt ein überaus dramatisch und übertrieben inszenierter Absturz, der den Film aber auch nicht mehr rettet.

„Fliegerkitsch erster Güte, aber perfekt gemacht“, wertet der Online-Spiegel. Das mit dem Kitsch sehe ich auch so. Aber „perfekt gemacht“? Diese ganze Fliegerherrlichkeit zwischen „Quax, der Bruchpilot“ mit Heinz Rühmann und „Quack, der Bruchpilot“ mit der schusseligen Disney-Zeichentrickfigur kann man doch nicht mehr ernst nehmen. Aber das Personal im „Tatort“ scheint daran zu glauben und lebt das „Top Gun“-Tom-Cruise-Feeling. Chansonnier Reinhard Mey, der das Freiheitsgefühl über den Wolken besungen hat, hätte seine Freude daran haben können.

Umso fader scheint dagegen das Leben am Boden zu sein. Kein Wunder, dass sich die Frauen der Flieger nach anderen Partnern fürs irdische Vergnügen umschauen, denn so wie der Oberst die sonst so kühl und überlegt agierende Ermittlerin Lindholm in forscher Jagdfliegermanier erobert, so wird wohl auch der im „Tatort“ ausgeblendete Rest des sexuellen Abenteuers militärisch straff geordnet gewesen. Vorwäääääärts. Maaarsch. Links, rechts, links, rechts. Top Gun in der Luft, Rohrkrepierer auf der Erde.

Was angesichts der Kitschflut bei der Lindholm-Ermittlung nicht so deutlich beleuchtet wird, ist das Pleiten-Pech-und-Pannen-Image der Bundeswehr, wo die Bodentruppen täglich schrauben und improvisieren müssen, damit wenigstens eines von drei Flugzeugen abheben kann. Zwischen Gammeldienst unten und Egomanie oben, zwischen Ersatzteilschieberei und High-Tech-Produkt hätte sich so manche Geschichte über das Leben in der Bundeswehr erzählen lassen, aber der "Tatort: Spielverderber" konzentriert sich lieber auf die handelnden Personen und ihre heroisch gefärbte Sucht nach dröhnenden Motoren in dünner Höhenluft.

Wer's mag. Mir war es zu kitschig, von allem Guten zu wenig und ziemlich zäh. Da half auch nicht der schaurige Kurzauftritt von "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann als übel malträtierte Leiche in der Gerichtsmedizin. Mehr als einen Mittelmaß-Daumen gibt es für den "Tatort: Spielverderber" nicht.