nach oben

TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
28.12.2015

PZ-zapp: "Tatort: Wer bin ich?" - nett angedacht, dann in den Sand gesetzt

Es dauerte eine Weile, bis ich mich im „Tatort: Wer bin ich?“ zurechtgefunden hatte. Dann machte es zunehmend Spaß, das Herumgezicke der „Tatort“-Diven am Filmset und die ganz persönlichen Macken der Sonntagabend-Krimihelden zwischen Starattitüde und Rollenbettelei zu erleben. Man musste sich zwar früh verabschieden vom Wunsch, einen spannenden Plot zu verfolgen, doch das Theater der Eitelkeiten bot den ein oder anderen Gag, ließ freche Anspielungen aufblitzen, konnte als kuriose Nabelschau gelten. Zumindest bis der nervige, deplatzierte, abtörnende Schluss einsetzte.

Dass Ulrich Tukur ein herausragender Schauspieler ist, weiß man ja nun schon länger. Aber muss man ihn deswegen gleich doppelt sehen? Muss man ihm deswegen gleich im Schlussakkord eine Litanei an bedeutungsschwangerem Wortgeklingel rezitieren lassen, so als würde er im Theater einen der großen klassischen Monologe vom Bühnenrand ins hoch verehrte Publikum deklamieren? Oder war es nun doch ein Dialog, weil Tukur doppelt erschienen war? Ach, egal. Fest steht: Dieses „Tatort“-Finale hat sich so kurz vor Jahresende noch einmal ganz weit nach vorne im Top-Ten-Ranking der schlechtesten Filmschlussszenen des Jahres 2015 katapultiert.

Schön schräg und kurios: Martin Wuttke, der erst seit kurzem nicht mehr als Leipziger „Tatort“-Kommissar das hohe Fernsehhonorar einstreichen darf, nun sein Häuschen in der Uckermark verscherbeln und sich mit Ganoven-Rollen und Geld-Pumpen am Rande des Erpressungsversuchs über Wasser halten muss. Ebenfalls zum Schmunzeln: Wolfram Koch, der den eitlen „Tatort“-Ermittlermacho mimt und unbedingt wissen will, ob man mit der Dienstwaffe auch einhändig schießen darf und wie man die Pistole am coolsten hält. Herrlich seine Eitelkeit, mit der er sich in den Vordergrund drängen will. Entlarvend oder grotesk überdreht? Auch das Filmset-Personal vom Regisseur bis zum Redakteur lässt erahnen, welche überzogenen Egos bei einem „Tatort“-Dreh aufeinanderprallen.

Kein spannender Plot, kein intelligenter, furioser, witziger oder sonst irgendwie positiv besetzter Schluss, dafür komische, satirische, entlarvende Momente in der Mitte – das reicht nicht für eine Daumen-hoch-Wertung. Nett angedacht, nett ausgeführt und dann in den Sand gesetzt.