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© Fotolia/Dietz
27.10.2014

PZ-zapp: Total fertige Lena Odenthal überzeugt in "Tatort: Blackout"

Auweia. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) bekommt im „Tatort: Blackout“ Prügel von allen Seiten. Ihr sieht man die Einsamkeit an, dass sie bei den Männern „zu kurz gekommen ist“ und „keinen abbekommen“ hat, dass sie keine Freunde hat, dass ihre Erfahrung nur ein Folge des fortgeschrittenen Alters ist. Die dienstälteste Ermittlerin der „Tatort“-Reihe findet keinen Schlaf, hat einen Kreislaufkollaps und sieht fertig aus – und das ausgerechnet bei ihrem Doppeljubiläum: 60 Filme in 25 Jahren „Tatort“.

Da wartet ein Staatsanwalt auf Berichte, Mario Kopper (Andreas Hoppe) macht Musik bei der Hochzeit seiner Cousine in Italien, und Johanna Stern (Lisa Bitter), die Ersatzfrau für den Wohnungsgenossen und Dauertröster Kopper, ist so ziemlich genau das, was Lena Odenthal nicht ist. Modern, gut durchorganisiert, eingebettet ins Netz der eigenen Familie, ausgerüstet mit iPad, Laptop und dem Fachwissen einer Profilerin. Dagegen sieht die eher intuitiv ermittelnde und dabei scheinbar gefühllos durchs Leben der Mitmenschen des Ermordeten tappende Odenthal wie ein alter Elefant im Porzellanladen aus.

Und genau das hat Stil, genau das macht diesen Film sehenswert, was zuletzt bei den doch eher irgendwie betulich wirkenden Ludwigshafener „Tatort“-Krimis nicht immer der Fall war. Was war nun spannender? Die Aufklärung des kuriosen, so gar nicht ins Schema passenden Mords oder das Psychogramm einer einsamen, an ihrem Job zwischen Blut und Elend verzweifelnden Frau? Beides hat gepasst. Ulrike Folkerts balancierte eindrucksvoll am Randes des Zusammenbruchs. Und auch der Plot hatte seine Stärken.

Da wird ein dauergeiler Architekt ermordet, in dessen Blut man K.o.-Tropfen gefunden hat und der mit einer Flasche Discounter-Champagner im Po in sexuell erniedrigender Art auf dem Boden liegt. Fast zeitgleich wird eine junge Frau orientierungslos auf der Rheinbrücke von der Polizei aufgenommen, ebenfalls mit K.o.-Tropfen im Blut. Hat sich da ein Opfer gerächt? Es bleibt lange sehr spannend, bis am Ende eine Mörderin (vormals Opfer) und ein Mörder (Psychopath) ermittelt sind. Aufatmen bei allen, nur nicht bei Lena Odenthal, die den letzten Mord nicht verhindern kann. Man kann es nur ahnen, dass das Loch, in das sie erneut stürzt, wieder etwas tiefer geworden ist.

Für alle, die es noch nicht gewusst haben: Der Ludwigshafener „Tatort: Blackout“ hatte auch heimisches Lokalkolorit zu bieten. Der ermordete Architekt Justus Wagner, der die Mädchen reihenweise abschleppt hat, wird gespielt von Holger Wessinger. Der Baiersbronner betreibt ein Modehaus für Männerfashion, verstärkt immer mal wieder den Chor am Theater Pforzheim, führt bei der Theatergruppe der Grunbacher „Baliederle“ Regie, spielt dort auch mit und singt bei den Stuttgarter Choristen. Er stand bereits für mehrere Fernsehproduktionen wie den Harry-Wörz-Film oder die TV-Serie „Die Fallers“ vor der Kamera.