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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
19.02.2018

PZ-zapp: Verführerisches Spiel von Kino und Realität im "Tatort: Meta"

Gutes Kino verführt, kann in fremde Welten und Zeiten entführen, Menschen prägen, verändern. Nicht wenige leben zumindest zeitweise in einer vom Kino bestimmten Parallelwelt, in der die Trennung von Fiktion und Realität extrem unscharf ist. Das erleben auch die Berliner Kommissare Karow (Mark Waschke) und Rubin (Meret Becker) am eigenen Leib. Der „Tatort: Meta“ spielt mit der Faszination des Kinos und lässt den Zuschauer teilhaben an einem Experiment, das im Gegensatz zu den zuletzt recht häufigen „Tatort“-Wagnissen überaus geglückt ist.  

Ein per Paket ins Büro geschickter Finger führt das Ermittlerduo zu einer Mädchenleiche. Und dann wird klar: Genau so beginnt ein Film, der gerade auf der Berlinale seine Premiere feiert. Und in diesem Film erleben die Leinwand-Ermittler die gleiche Geschichte, die in einem Film im Film parallel erzählt wird. Klingt kompliziert? Der in Königsbach-Stein aufgewachsene, an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ausgebildete Regisseur Sebastian Marka erzählt dieses überaus spannende Spiel zwischen den verschiedenen Ebenen so souverän und sicher, dass man ohne zu zögern folgt und sich vor dem Fernseher von der Imaginationskraft des Thrillers mitreißen lässt.  

Zu Beginn des „Tatorts“ wird geschildert, wie gänzlich unterschiedlich Karow und Rubin sind. Er ist die Guten-Morgen-Maschine, die hellwach aufsteht und bei Frühsport und Müsli bereits die ideale Betriebstemperatur erreicht hat, sie ist das verschlafene Gegenstück, das so früh am Morgen nichts auf die Reihe kriegt. Dabei ist sie der geerdete Pol des Ermittlerteams. Nur spät und widerwillig lässt sie sich von der Geschichte des Berlinale-Films vereinnahmen, während Karow schnell in jene Parallelwelt und die daraus resultierende Paranoia abrutscht und allein im Film den Schlüssel zur Lösung des realen Kriminalfalls sieht. Am Ende wird er zum „Taxi Driver“, zu einem Racheengel, wie ihn der junge Robert de Niro in jenem legendären Martin-Scorsese-Film gespielt hat. 

Dem in Berlin lebenden Marka, Jahrgang 1978, gelingt es, die Kinomythen und gespiegelten Handlungen so perfekt zu einer Geschichte zu verschmelzen, das man keine Minute an der Konstruktion zweifelt. Das hat nichts mit der dem „Tatort“ seit Jahrzehnten anhaftenden und manchmal etwas anödenden Liebe zur Realität zu tun. Der Marka-Thriller ist aber auch keines der zuweilen doch recht fragwürdigen Experimente, die den Sonntagabendkrimi in der ARD „modernisieren“ sollen. In seinem sechsten „Tatort“ begeistert Regisseur Marka mit einer fantastischen, bis zum Schluss spannenden Geschichte um Killer und skrupellose Auftraggeber eines obskuren Geheimdienstes, der als Erbe der „Organisation Gehlen“ die „Drecksarbeit“ machen soll.  

Da gibt es nur eine PZ-zapp-Wertung: Daumen hoch für einen „Tatort“, der eine Ausnahmestellung unter den über 1000 Episoden einnimmt.

Bleibt zu hoffen, dass der ehemalige Königsbach-Steiner einmal mit einem „Schwarzwald-Tatort“ aus der Region erneut zur Höchstform auflaufen darf.