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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
12.02.2018

PZ-zapp: Wie der Zwang zum Witz die Kalauerkönige im Weimar-"Tatort" ausbremst

Kaffee kochen kann sie nicht, aber mit ihren anderen Talenten ist es dem Püppchen (Ruby O. Fee) gelungen, einen Milliardär zu heiraten. Dessen Mörder, einen europaweit gesuchten finnischen Auftragskiller mit lästiger, eifersüchtiger Ehefrau am Handy, streckt die beim nächtlichen Onlineshopping gestörte und mit dem Ehevertrag gehörig angeschmierte Milliardärswitwe mit ein paar Schüssen locker nieder. So weit, so gut, so witzig. Danach wird es im „Tatort: Der kalte Fritte“ aus Weimar leider etwas fad, obwohl das Beruf und Bett teilende Ermittlerpärchen Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) sonst doch eher für humorige Momente steht.

Dieses Mal gibt es nette Missverständnisse bezüglich der geistigen Entwicklung des gemeinsamen Kindes, eine nette Nebengeschichte mit Kommissariatsleiter Stich (Thorsten Merten) und seinem Vater (Hermann Beyer), der sich durchs Leben betrügt und fälscht, wenn er nicht gerade im Knast sitzt. Ein bisschen nett noch hier und da und alle paar Minuten werden Dichterfürsten rezitiert – man ermittelt ja schließlich in Weimar, wo Namen wie Goethe und Schiller, Wieland und Herder noch einen lebendigen Klang zu haben scheinen. Aber ein bisschen nett ist eben dann am Ende doch zu wenig.

Nora Tschirner und Christian Ulmen haben das Zeug dazu, auch eine schwache Krimihandlung mit ihren frechen, sarkastischen Dialogen zu retten, aber dieses Mal klappt es nicht. Irgendwie kann sich dieser Sonntagabendkrimi aus Thüringen nicht so recht entscheiden, ob er witzig oder sozialkritisch sein soll. Der Plot schwankt zwischen einem Wirtschaftskrimi im Immobilienmilieu und einem Bordelldrama, in dem sich Ermittlerin Dorn als beim tatverdächtigen Luden zur Ausbeutung anmeldende Undercover-Prostituierte mit bescheidener erotischen Ausstrahlung versucht.

Dann gibt es da noch ein vor dem finanziellen und privaten Zusammenbruch stehendes Ehepaar, das einen Steinbruch führt und darauf hofft, dass dort ein Goethe-Geomuseum gebaut wird. Der Mann, der dort die Steine aus der Felswand sprengt, und der Bordellbesitzer sind verfeindete Brüder – und dazwischen steht eine von beiden geliebte Frau und deren Tochter, die beide auch noch mit einem ermordeten Architekturprofessor zu tun haben.

Alles etwas wirr und reichlich überzogen, aber nicht so, dass es abgedreht witzig wirkt. Es gibt schöne Momente mit Schmunzel-Grusel-Faktor, wenn etwa der Architekt mit einer Walter-Gropius-Büste (typisch für Weimar und seine Bauhaus-Geschichte) erschlagen wird, aber so richtig Fahrt nimmt das Gag- und Kalauer-Feuerwerk nicht auf. Im Gegenteil: Manchmal hat man den Eindruck, als seien Blödelei und Wortspiel überstrapaziert worden. Der Zwang, witzig zu sein, hat sich hier als lähmend erwiesen. So richtig locker wie in früheren Krimis aus Weimar war das nicht.

Da reicht es leider nur für einen Mittelmaß-Daumen in der PZ-zapp-Wertung.