nach oben
© Dietz
17.09.2012

PZ-zapp: Wundertüte "Tatort: Hochzeitsnacht"

Der Sonntagabend gehört der Couch. Und vor der Couch flimmert sonntagabends der „Tatort“. Was sonst? Das Familienprogramm ist festgelegt. Und obligatorisch ist auch der Rüffel von der rechten Couchseite. „Jetzt sei doch endlich ruhig, ich will noch nicht wissen, wer der Täter ist“, heißt es immer dann, wenn ich mich möglichst früh auf den Bösewicht festlege. Mit einer beeindruckend hohen Trefferquote übrigens. Am Sonntag beim Bremer „Tatort: Hochzeitsnacht“ hatte ich ausnahmsweise keine frühen Eingebungen.

Das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Auch wenn die Geschichte an den Haaren herbeigezogen war und sich im Verlauf auch weiterhin realitätsfern entwickelte, so war sie doch stets spannend und von vielen überraschenden Wendungen geprägt. Ich weiß, dass alle Welt bei einem „Tatort“ immer danach fragt, ob das alles so wirklich passieren kann, ob das alles der Logik entspricht. Ein typisch deutsches Fernsehphänomen. Aber das war mir am Sonntag total egal – ich wollte bei einem Feierabendbier unterhalten werden, und dem Bremer „Tatort“ ist das gelungen.

Ob zwei Bewaffnete über längere Zeit hinweg Dutzende von Erwachsenen in einer großen Gaststätte so in Schach halten können, dass keinem irgendwie die Flucht gelingt und kein Bösewicht überwältigt werden kann? Egal. Hauptsache, man weiß nicht, was als Nächstes kommt. Und Überraschungen bot der „Tatort“ reichlich. Da ging es schnell zur Sache, und nebenbei durfte man einen Einblick in die Abgründe der norddeutschen Tiefebene gewinnen, wo es junge Menschen im Paradies des Spießertums und der Langeweile nicht ohne Drogen und Bambule aushalten.

Ich kein Freund von Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel). Das Blonde stimmt eigentlich, aber der Rest ist mir zu steif, zu uncool, zu dauerbetroffen. Doch im Bremer „Tatort: Hochzeitsnacht“ ist mir das gar nicht negativ aufgefallen. Und dass Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) in Unterhosen durch schlammige Äcker waten muss, weil seine Hose im Niemandsland zwischen Weide und Wassergraben verloren ging, hat auch seinen Charme. Die Provinz rund um Bremen ist schon ein tückisches Stückchen Flachland.