nach oben
© Fotolia/Dietz
06.10.2014

PZ-zapp: Zusammengeschusterter, fader "Tatort: Winternebel"

Der „Tatort: Winternebel“ hat einmal mehr bewiesen, warum ich die Konstanzer Krimis nicht mehr mag. Irgendwann mal war das neu. Eva Mattes, eine großartige Schauspielerin, ermittelt mit reichlich Betroffenheitsmiene und einem Ozean an menschlicher Erfahrung und Mitgefühl am bieder-faden Bodensee. Neben ihr dilettiert ein allzeit genervter Schnösel im schnieken Lieblingsschwiegersohn-Outfit, ein gern weit daneben zielender intellektueller Schnellschuss, der Mama Mattes gutmütige Führung braucht, um Gut und Böse unterscheiden zu können. Inzwischen haben die beiden Charaktere an Scharfzeichnung und Gegensätzlichkeit verloren, dafür jedoch an Langeweile gewonnen.

Früher litt Ermittlerin Klara Blum (Eva Mattes) überzeugend mit, krümmte sich unter der Bürde des Bösen in der kleinbürgerlichen Welt am Bodensee. Heute tut sie nur noch so, als müsste sie das Geschehen um sie herum etwas angehen. Kai Perlmann (Sebastian Bezzel), der irgendwie nie richtig erwachsen zu werden schien, war früher eine ADHS-verdächtige Nervensäge, der jetzt die Zähne am Sägeblatt fehlen. Glatt gebügelt wie sein Anzug. Und der schon lange nicht mehr coole Thurgauer Kollege Matteo Lüthi muss sich bei Würstchen und ungewohntem Flaschenbier die Dämonen eines alten Falles wegtrinken, was in einem Räuschlein endet, der so unecht wirkt wie das im Mittrinken endende Mitgefühl von Klara Blum.

Diese Szene sehen wir sonst in den Kölner „Tatort“-Filmen, wenn sich Ballauf (Klaus Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) nach getaner Arbeit am Imbisswagen wieder zusammenraufen. So sehr dieser Currywurst-Flirt schon zur „Tatort“-Ikone geworden ist, so wenig passt das an den Bodensee.

Bei „Winternebel“ geht eigentlich gar nichts so recht zusammen. Holzschnitthafte Charakter wie der grundböse, eiskalte Unternehmer, dem ein Geschäftsabschluss wichtiger ist als sich wegen seiner entführten Tochter schlaflose Nächte zu bereiten, stehen einem gesichtslosen Entführer entgegen, der Spaß am Schlagen von Frauen haben soll, aber eher nach Mamas Watschenopfer aussieht. Und dann das nassforsche Töchterlein, die in ihrem Käfig mal mutig um Schläge bettelt und sich dann wenig später halb entblößt und ekstatisch dem Entführer an den Hals wirft. So ist das eben in schlechten „Tatort“-Filmen bei psychologischen Extremsituationen zwischen Verlorenheit und Todesangst.

Dazu passend gibt es Nebel und Regen fast schon im Durbridge-Format der schwarz-weißen Straßenfeger-Ära. Was wohl die Tourismusverbände rund um unser Trinkwasserreservoir zu diesem dauerfeuchten Ambiente sagen, wo doch in den Bodensee-Prospekten immer die Sonne scheint? Natürlich bei freiem Blick auf die Alpen. Solch einen Durchblick hätte ich mir den Machern von „Winternebel“ gewünscht, aber dieser „Tatort“ wirkt irgendwie zusammengeschustert. Vorhersehbare Wendungen, keine nachvollziehbaren psychologischen Entwicklungen, keine echten Gefühle, keine echte Atmosphäre.

Ob das noch mal etwas wird mit den Krimis aus Konstanz? So richtig mag ich daran nicht glauben. Eher läuft der Bodensee leer, als dass die Konstanzer Ermittler noch einmal zu Höchstform auflaufen.