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04.07.2012

PZ-zapp extra: Glööckler, Glanz und Gloria

Auf keinen Fall auffallen, schön im Hintergrund bleiben. Was sollen denn sonst die Leute denken? Viele Schwaben, auch und gerade im Raum Mühlacker leben nach diesem Motto. Da fällt ein Harald Glööckler aus dem Rahmen - und zwar so sehr, dass es schon wieder egal ist. Den Beweis, dass wirklich alles egal ist, scheinen die Macher der neuen Doku-Soap "Glööckler, Glanz und Gloria" auf Vox antreten zu wollen.

Bildergalerie: Harald Glööckler - pompööser Designer aus Maulbronn

Nur weil der Modemacher ("Pompöös") und eifrige Selbstvermarkter vor der Kamera sagt, 30 Jahre sei er nicht mehr in Mühlacker gewesen, nehmen die Fernsehleute es für bare Münze. Dabei kann das gar nicht sein, wie der Mittvierziger sogar selbst andeutet. Doch Glööcklers Los ist es, in der eigenen Show nicht ernst genommen zu werden. "Seine Mode ist verwegen, sein Wort Gesetz" tönt der Sprecher gleich zu Beginn. Solche Überhöhungen der Hauptperson sind das eine. Dass Glööckler auch der Lächerlichkeit preisgegeben wird, ist das andere - und wiegt schwerer. Nötig wäre das nicht. Man kann diesen Mann, der selbst wenig Hemmungen kennt, auch ohne verbale Seitenhiebe aus dem Off peinlich finden - und ansonsten abschalten beziehungsweise gar nicht erst einschalten.

Der neuen achtteiligen Serie fehlt eine kritische Distanz. Dafür gibt es eine gekünstelte Distanz, was aber nicht am eitlen und redseligen Freund großer Worte und Gesten liegt, sondern an den oft unpassenden und auch sonst nichtssagenden Zwischentexten. Der anonyme Sprecher ist nur Erfüllungsgehilfe. Da er weder die Texte verfasst noch die Intention vorgegeben noch Glööckler je zu Gesicht bekommen haben wird, fällt der respektlose Umgang mit der Hauptperson leicht. Ob wohl am Dienstagabend irgendeine Kamera festgehalten hat wie Glööckler mit Partner Dieter Schroth und Papillon Billy King die neue Doku-Soap verfolgt - und dabei zum Rumpelstilzchen wird?

Überwiegend sehr schnell geschnittene Bilder zeigen den Wahl-Berliner im Showroom, beim Tättowierer, beim Schönheitschirurgen - und in der alten schwäbischen Heimat. Aus sicher reichlich vorhandenem Material hat da jemand ziemlich beliebig ausgewählt - vor allem, was Interview-Sequenzen betrifft. Es geht nicht um eine Geschichte, nur darum, Effekte zu erzielen. Hier wurde zusammenmontiert, was zwar irgendwie zusammengehört - aber auf eine Art und Weise, wie es nicht recht passt. Es fällt nur nicht so stark auf wegen der Werbepausen.

Zum Schmunzeln ist, dass Glööckler ein wenig vornehm vom Kaufhaus "Seemann" spricht - eine Einladung für den unwissenden Sprecher, auch "Seemann" statt "Sämann" zu sagen. Und wenn Glööckler bei seiner Heimkehr sagt, gerade fahre man durch Illingen, danach komme Schützingen, dann wird dieser Ort kurzerhand zum Mittelpunkt der verqueren Fernseh-Welt. Vom "benachbarten Mühlacker" ist dann die Rede, als wäre die Kreisstadt bestenfalls gleichrangig mit Schützingen. Was gravierender ist: Glööckler wird kurzerhand zum Schützinger. Im Internet-Zeitalter und nach Monaten der Vorbereitung ist das nicht nur ein Fehler, wie er leicht mal passieren kann, sondern ein Unding. Anscheinend ist aber wirklich alles egal - den Fernsehmachern, nicht Glööckler, der doch in Zaisersweiher aufgewachsen war.

Als tüchtiger Geschäftsmann gewährte er den Fernsehleuten zwar viele Einblicke. Gewisse Grenzen setzte er aber doch. Im Bad, allerdings nicht beim Besteigen der Wanne ließ er sich filmen. Beim Kaffeekränzchen vor der Rückkehr an seine Ausbildungsstätte, blieb das Kamera-Team auch vor der Tür. Letzteres mag allerdings auch die Verwandtschaft verfügt haben, denn was sollten sonst die Leute denken?

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