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26.02.2018

PZ-zapp zum Friesen-"Tatort": Borowski im Zauber-Horror-Land der Liebe

Die Nordsee hat ihren eigenen Reiz. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn man nicht am Strand liegen, sondern sich über die Insel bewegen und die Elemente zwischen Sturm und Sonne direkt fühlen muss. Das dominante Grau kann schwermütig machen, Hirngespinste erwecken. Kein Wunder, dass auch Kommissare wie Klaus Borowski (Axel Milberg) dann auf seltsame Gedanken kommen und ungewohnte Gefühle zulassen, wenn in dieser rauen Landschaft wie im "Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren" dann noch eine geheimnisvolle Schöne in ihr Leben tritt.

Die Nordseeinsel Suunholt gibt es nicht, sie ist ein Mix aus mehreren Inseln, ein Urtyp. Allein Bowoskis Fahrt dort hin zeigt, dass es in eine andere Welt geht. Typen tauchen da auf, für die der Bier-Werbeslogan „friesisch herb“ eine romantische Übertreibung ist. Da wittert man schon das Leben im engsten Verwandtschaftskreis, da riecht es nach Inzucht und geistiger Begrenztheit, nach seelischen Abgründen hinter moralinsaurer Fassade. Und auf der Fähre wird ein neben dem Borowski-Dienstwagen stehender Schweinetransport Unheil verkündend in Szene gesetzt. Statt dem Schweigen der Lämmer droht das Grunzen der Schweine.

Nach den ersten Minuten könnte man schon ahnen, dass hier ein Fluch auf Suunholt und seinen Menschen liegt. Und Borowski erliegt dieser Stimmung, verliebt sich in Famke Oejen (Christiane Paul), die geheimnisvolle Freundin eines in der Badewanne ertrunkenen Mannes, der eigentlich schon als Toter galt. Borowski hatte zuvor an einem Fall gearbeitet, bei dem ein korrupter Baurechtsamtsmitarbeiter nach Hinterlassen einer Blutlache auf dem heimischen Teppich spurlos verschwunden ist. Und jetzt wird klar, dass er sich unter anderem Namen in Suunholt aufhielt und mit einer neuen Frau zusammenlebte.

Doch er bleibt nicht der einzige Tote. Borowski muss bei seinem Solo in einer eigenartigen Welt ermitteln, in der er immer mehr kuriose Phantasien entwickelt, in der er immer mehr dem Zauber von Famke erliegt, die auch den Inselmännern Marke „grob und ungeschliffen“ als Projektionsfläche romantischer wie erotischer Wünsche dient.

Wenn Borowski ermittelt, dann ist er oft durch Empathie, durch ein tiefes Eindringen in die Gefühlswelt der Beteiligten erfolgreich. Das erfordert ein zurückhaltendes, langsames Erzählen. Aber muss man gleich so viel Hirngespinste und Zauberei zeigen? Borowski auf einem LSD-Ausflug ins Phantastische? Lässt ihn die Liebe tatsächlich so verstrahlt durchs nordische Grau wanken? Muss man Gefühlswelten im Film immer so märchenhaft darstellen? Das nervt ein bisschen in einem „Tatort“, der anders ist also so viele zuvor, der aber nicht weniger spannend ist.

Positiv ist dagegen wieder das überraschende Ende, als sich die zauberhafte Christiane Paul, die das banale Inselleben überstrahlt, plötzlich wieder an die letzten Stunden und Minuten ihres Freundes erinnern kann. Es ist ein kurioser Tod, resultierend aus dem Wunsch, einen geliebten Menschen nicht zu verlieren, um dann am Ende festzustellen, dass man Liebe nicht in den Händen halten kann. Auch Borowski wird das dann erfahren. 

Ein leider nur fast geglücktes „Tatort“-Experiment und irgendwo zwischen „Daumen hoch“ und „Mittelmaß-Wertung“ angesiedelt.