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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
01.06.2015

PZ-zapp zum "Tatort: Erkläre Chimäre": Boerne und Thiel in Homo-Ehe auf Zeit

Sie sind schon länger verheiratet? Und sie verbringen den Sonntagabend mit Ihrem Ehepartner vor dem Fernseher? Dann wird Ihnen das Frotzeln und Zanken des skurrilen „Tatort“-Pärchens Boerne und Thiel bekannt vorkommen. Beide erinnern mich an ein altes Ehepaar – und im neuen „Tatort: Erkläre Chimäre“ müssen der Rechtsmediziner und der Kriminalhauptkommissar auch ein Paar spielen. Das ist ja zuweilen ganz nett, aber den Krimi macht das auch nicht richtig spannend.

Umfrage

Der neue "Tatort" mit Boerne und Thiel aus Münster war ...

... sehr gut 35%
... mies 16%
... mittelmäßig 31%
... mir egal 18%
Stimmen gesamt 134

Zu den besten Szenen zählt, wenn Boerne (Jan Josef Liefers) den verfressenen Thiel (Axel Prahl) vor dem Bolustod (seit diesem „Tatort“ wissen wir, dass man an einem zu großen Happen nicht erstickt) rettet. Ein Schnitt in die Luftröhre im Hals und eine Kugelschreiberhülle mit dem Aufdruck „Luftkurort Davos“ als Sauerstoffschlauchersatz – der Leichenaufschneider kann das Schlitzen auch am lebenden Objekt richtig gut. Dass beide später mit den Morden eines Halsaufschneiders konfrontiert werden, wirkt dann nur folgerichtig.

Boerne will seinem reichen und homosexuellen, im Ausland lebenden und zu Besuch kommenden Erbonkel (Christian Kohlund) gefallen und sich selbst als glücklichen Partner einer Schwulenehe inszenieren. Seit der schon vor über 40 Jahren gedrehten Komödie „Ein Käfig voller Narren“ wissen wir, dass das nicht ganz so einfach geht. Schon gar nicht zwischen dem Porsche-Rotwein-Snob und dem St.-Pauli-Bier-Proll. Doch so richtig kommt der Heiteitei-Spaß nicht in die Gänge, und auch die eigentliche Krimihandlung zieht mit ihren vielen Windungen, die dennoch wenig überraschend wirken, eher spurlos an einem vorbei.

Da geht es um alte Champagnerflaschen, die vor Kuba aus dem Meer geborgen und dann unterschlagen wurden, um einen geheimen, letztlich aus dem Ruder laufenden Flaschendeal, um einen schwulen Brasilianer, einen drogensüchtigen Weinhändlersohn, eine erpresserische Taxifahrerin, einen Chirurgen in Geldnot und einen die Hälse junger Schwuler aufschlitzenden Serienmörder, von dem eigentlich im Verlauf der 90 „Tatort“-Minuten nichts weiter zu erfahren ist. Viele Verdächtige, viele Irrwege und dazwischen darf Boerne ausführlich medizinische Fachbegriffe erklären.

So richtig packend war das alles nicht. Die Homoehe auf Zeit konnte ihre Komik nicht voll entfalten und der Plot versandete am Ende irgendwo zwischen mysteriösen DNA-Proben und dem eher unglaubhaften Mörder im weißen Arztkittel. Aber der Münster „Tatort“ ist selbst in einer schwachen Ausführung immer noch gut genug, um im Bewertungsmittelfeld zu landen. Boerne und Thiel sind ein Ermittlerduo, an dem so schnell kein anderes „Tatort“-Gespann vorbeikommt. Dabei dürfte Thiels helfende weibliche Hand Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) endlich einmal mehr im Zentrum des Geschehens mitmischen. Sie steht meiner Ansicht nach zu Unrecht zu oft am Rande. Immerhin: Sie wurde endlich zur Kommissarin befördert. Auch deshalb gibt es für „Tatort: Ekläre Chimäre“einen „Mittelprächtig“-Daumen.