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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
03.04.2017

PZ-zapp zum "Tatort: Fangschuss": Wenn das Grauen einen schmunzeln lässt

Er solle doch nur schnell ihren Wintermantel vom Balkon werfen, ruft die junge Frau in die Sprechanlage des Wohnhauses. Was dann von oben herabfliegt, ist ein blauer Morgenmantel, in dem allerdings noch ein Mann steckt. Harter Aufschlag, Blut rinnt langsam über eine Vordachkante. Und das ist erst der überraschende Anfang von skurrilen Entwicklungen und bissigen Dialogen. Wenn das Grauen im „Tatort“ einen schmunzeln lässt, handelt es sich mit hoher Trefferquote um einen Boerne-Thiel-Krimi aus Münster.

Treffsicherheit ist auch ein Thema im „Tatort: Fangschuss“. Professor Boerne (Jan Josef Liefers), dem zum perfekten adeligen Salonlöwen nur noch der Jagdschein nebst eigener Pacht fehlt, bereitet sich auf die Jagdprüfung vor, fabuliert nur noch vom Muffelfleck beim Rehwild und vom „deutschen Stecher“ (der Abzug der Büchse, der das Stechschloß spannt). Er biedert sich der Jagdpacht und einer windigen Aktiengeschichte wegen bei einer Pharmaunternehmerin an, die als leibhaftige Diana, als mannhafte Göttin der Jagd, den Möchtegern-Jäger eher als Witzfigur betrachtet. Dass der miese Schütze Boerne die skrupellose Verbrecherin dann am Ende mit einem halbwegs gut gezielten Steinwurf am weiteren Morden hindert, wirkt dann wieder als ausgleichende Gerechtigkeit.

Kommissar Thiel (Axel Prahl) hat es ebenfalls mit einer mutigen, selbstbewussten Frau mit leuchtend blauer Mähne zu tun. Sie gibt sich als seine Tochter aus einer früheren Urlaubsliebschaft aus, erpresst gleichzeitig ein mit vergiftetem Mais handelndes Unternehmen und quetscht mit Vorliebe die Hände von eiskalten Profikillern in Auto- oder Zimmertüren.

Wie manischer Waidmannfimmel und aufkommende Tochterliebe, ein Skandal um ein Haarwuchswundermittel und investigativer Journalismus, dessen aufschreckende Wirkung scheinbar direkt vom Rotweinkonsum abhängt, zusammenpassen, ist ein Münsteraner Geheimnis. Muss man aber auch nicht bis ins letzte Detail verstehen. Der sich in alle Richtungen windende Krimi-Plot dient im Grunde nur dazu, der lakonisch-witzigen Boerne-Thiel-Welt ein Gerüst zu geben, einen Raum, in dem sich schwarzer Humor voll entfalten und sich das Füllhorn an szenischen Überraschungen und beißendem Spott leeren kann. Gut, dass es die beiden Münsteraner im deutschen Krimi-Fernsehen gibt.