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Franziskus wurde vor 100 Tagen zum Papst gewählt © dpa
19.06.2013

Papst Franziskus wurde vor 100 Tagen gewählt

Seine Wahl zum Papst war eine Sensation. Erstmals in der langen Geschichte der katholischen Kirche bestieg ein Jesuit den Stuhl Petri. Auch kam noch nie ein Pontifex aus Lateinamerika. Dann legte der Argentinier los: Vom ersten Auftritt vor den Gläubigen an zeigte sich Papst Franziskus offen, humorvoll, bescheiden.

Der neue Stil begeistert die Massen, die auch nach den ersten drei Monaten des Pontifikats bei der Generalaudienz den Petersplatz überfluten. Am Donnerstag ist es 100 Tage her, dass weißer Rauch aufstieg.

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Der „Hoffnungsträger“ aus Buenos Aires hat die Herzen der Katholiken offensichtlich erobert – der frische Wind der Demut tut vielen gut. Schon sein ungewöhnlicher Papst-Name ist Programm, weist er doch auf den Heiligen Franz von Assisi hin, der für den Schutz von Natur und Umwelt steht, aber auch für den Kampf gegen die Armut. Und den nahm Franziskus auch mit Breitseiten gegen den Kapitalismus auf. Große Gesten und Worte, doch noch fehlen die Weichenstellungen.

Während Franziskus seine Weltkirche vor der Verkalkung warnt, Korruption und Geldgier anprangert, braucht eines sicherlich noch sehr viel Zeit: die dringend notwendige Reform der erstarrten Kurie in Rom, die unter seinem Vorgänger Benedikt XVI. auch von tiefsten inneren Krisen wie dem „Vatileaks“-Skandal erschüttert worden ist.

Acht Kardinäle aller Kontinente sollen Reformen vorschlagen und ihn bei der Leitung der Weltkirche beraten. Die ihm jüngst zugeschriebene Klage über eine „Schwulen-Lobby“ im Vatikan könnte durchaus zeigen, dass Franziskus den Reinigungsprozess der Kirche beschleunigen will.

Durchaus auch konservativ, dabei aber zugänglicher und weniger theologisch als sein deutscher Vorgänger, fordert Franziskus seine Herde ständig auf, „nach draußen“ zu gehen, also an die Ränder der Gesellschaft. Die Ärmsten sehnten sich nach Beistand. Fährt der Mann mit weit offenen Armen in seinem offenen Geländewagen auf dem Petersplatz an der Menge der „Brüder und Schwestern“ vorbei, wendet er sich immer wieder kleinen Kindern und Kranken zu. Römische Medien spekulierten in einem Fall bereits, dass der 76 Jahre alte Bergoglio dabei sogar eine Teufelsaustreibung (Exorzismus) bei einem Kranken versucht habe.

Er will immer noch nicht im Apostolischen Palast wohnen, zieht die Gesellschaft im Gästehaus des Vatikans vor und macht auch mit seinen kurzen Predigten in der Morgenmesse dort Schlagzeilen. Etwa, wenn er gegen die Salon-Christen oder die Macht des Karrieredenkens wettert. „Petrus hatte auch kein Konto“, erklärte er unlängst in einer typischen und für alle verständlichen Kritik an der reichen Kirche, die alt werde und leblos wirke.

Wieweit er in dogmatischen Fragen von dem strikten Kurs seiner Vorgänger abweichen wird, bleibt bei alledem jedoch abzuwarten. In Fragen der Ehelosigkeit der Priester (Zölibat) oder der Abtreibung erscheint der Jesuit Bergoglio im Prinzip auf deren Linie. Es wird also auf die Nuancen ankommen, die ein vielleicht flexibler Papst offeriert.

Der baut derweil aber auch noch sein Image als unkompliziertes und lächelndes Kirchenoberhaupt aus, das unausgetretene Pfade zu lieben scheint. Jüngstes Beispiel: Er ist jetzt Besitzer zweier Motorräder, die der US-Hersteller Harley-Davidson ihm nach einer Generalaudienz schenkte. In den Vatikan-Gärten kann er sie kaum ausfahren. Wobei mancher sich nicht wundern würde, sähe er Franziskus, den neuen Sympathie-Träger der Kirche, über Italiens Autostrada brettern.