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Freundlich empfangen, aber auch kritisch beäugt wird OB-Kandidat Peter Boch (CDU) bei der Veranstaltung im Dachgarten des „Parkhotels“.
Freundlich empfangen, aber auch kritisch beäugt wird OB-Kandidat Peter Boch (CDU) bei der Veranstaltung im Dachgarten des „Parkhotels“.
08.03.2017

„Pforzheim mitgestalten“ begegnet Peter Boch offen, aber kritisch

Quasi ein Heimspiel war für Peter Boch die Vorstellung im Rahmen einer öffentlichen Fraktionssitzung der CDU am Montagabend (die PZ berichtete). Dass sich der OB-Kandidat tags darauf in einer Auswärtspartie behaupten muss, wird gleich zu Beginn der Veranstaltung im voll besetzten Dachgarten des „Parkhotels“ deutlich.

Überparteilich und unabhängig sei der Verein „Pforzheim mitgestalten“, betont der Vorsitzende Peter Wagner, der den Abend moderiert, und animiert seine Mitglieder zu „kritischer Konstruktivität“. Eine solche legen Etliche an den Tag – auch Wagner selbst. OB Hagers Herausforderer erlebt vor 150 Besuchern einen Härtetest.

Im Kleinen konkret

Wie am Vortrag skizziert der 36-Jährige seine Vorstellungen. Die Gewerbesteuer wolle er senken, ein „klares Konzept“ zur Kinderbetreuung erarbeiten, im Rathaus wie mit Bürgern Transparenz und Offenheit pflegen, das Ehrenamt stärken, das Verhältnis zu Nachbargemeinden verbessern, die Struktur im „nach dem Rasenmäher-Prinzip ohne Maß und Ziel“ aufgestellten Haushalt verändern und „Ausgaben nur dort tätigen, wo sie notwendig sind“. 20 Minuten dauert der Vortrag. Er ist Ausgangspunkt für eine teils kontroverse Diskussion.

„Auf eloquente Art und Weise“ habe Boch „versucht, ein wahrscheinlich noch nicht vorhandenes Gesamtprogramm zu verkaufen“, urteilt Peter Wagner. „Da waren sehr viele plakative Dinge drin.“ Ihm habe „ein wenig das Fleisch am Knochen“ gefehlt: „Wenn ich von einem sinkenden Schiff in ein Rettungsboot springe, will ich das Rettungsboot sehen.“ Im folgenden Dialog mit dem Publikum wird Boch zumindest teilweise konkreter. Er kritisiert etwa, dass das neue Konzept für den Gruschtelmarkt nicht kommuniziert worden sei und stellt in Aussicht, den Markt in bisheriger Form zu erhalten. Das kostenfreie Kurzzeit-Parken will er wieder einführen, auf Ausgaben wie die „Rostkübel“ an der Zerrennerstraße künftig verzichten – das hätte eine Ersparnis von 30 000 Euro gebracht: „Kleinvieh macht auch Mist.“

Allgemeiner bleibt er bei den großen Themen. Das Projekt Innenstadt-Ost müsse „auf den Prüfstand gestellt“ werden, sagt Boch, um zugleich zu betonen, dass sich die City weiterentwickeln und es dort mehr studentisches Wohnen geben solle. „Offensiv angehen“ will er die bereits im Haushalt verankerten Schwerpunkte Sicherheit und Sauberkeit und „keine Zeit mehr verschenken“ beim Ausweisen von Gewerbegebieten – in interkommunaler Zusammenarbeit. Boch bekennt sich zum Theater als Drei-Sparten-Haus und lobt die vielfältige „Kulturlandschaft“.

Bis zum Schluss wird auf sachlicher, nicht auf persönlicher Ebene diskutiert. „Auch ein Herr Hager kann Stadtpolitik nicht alleine machen“, sagt eine Besucherin, „Wir haben einen recht chaotischen Gemeinderat.“ Boch selbst betont: „Der Herr Hager ist ein Kollege von mir.“ Und: „Ja ich weiß, die CDU-Fraktion hat in vielen Bereichen zugestimmt.“

Freundlich ist am Ende der Applaus für Boch. „Sie können jetzt aus erster Hand über ihn reden“, sagt Peter Wagner verschmitzt. Tatsächlich stecken viele Besucher die Köpfe zusammen. „Jung“ und „dynamisch“, sei Boch, heißt es etwa, „redegewandt“ und „sympathisch“. In Pforzheim herrsche „Unzufriedenheit“. Andere meinen, dass der Termin „zu früh gekommen“ und der Bewerber „noch nicht ganz eingearbeitet“ sei. Auch Stadträte ziehen ihre Schlüsse. Seine Fraktion werde das Gespräch mit Boch suchen und dann entscheiden, ob sie eine Wahlempfehlung ausspricht, sagt Bernd Grimmer. Dieser erscheine ihm „eher näher an der AfD“ als an der CDU-Fraktion: „Ich finde mich zum Teil wieder.“ Für Bernd Zilly dagegen steht fest, dass sich seine Unabhängigen Bürger nicht positionieren werden. Er empfehle seinen Mitgliedern: „Besucht die Informationsveranstaltungen, setzt Euch mit den Kandidaten auseinander, geht zur Wahl.“ Bis zum 7. Mai kann jeder der bislang fünf Bewerber noch häufig Überzeugungsarbeit leisten.