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Kardinal Karl Lehmann, aufgenommen im Bischöflichen Ordinariat. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv
Kardinal Karl Lehmann, aufgenommen im Bischöflichen Ordinariat. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv
11.03.2018

Pforzheimer Reuchlinpreisträger Kardinal Lehmann ist tot

Mainz. Der Träger des Pforzheimer Reuchlinpreises, Kardinal Karl Lehmann, einer der beliebtesten Katholiken Deutschlands, ist tot. Der frühere Mainzer Bischof starb nach Angaben des Bistums an diesem Sonntagmorgen in seinem Haus in Mainz. Er wurde 81 Jahre alt.

Lehmann hatte seit September vergangenen Jahres mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung gekämpft. Nachdem sein Gesundheitszustand monatelang stabil war, schwanden seine Kräfte zuletzt deutlich. Der frühere Bischof genoss weltweites Ansehen.

Lehmann war nach dem Schlaganfall zunächst in einem Krankenhaus behandelt worden. Seit Dezember vergangenen Jahres wurde er schließlich zu Hause in Mainz versorgt. Nach Angaben seines Nachfolgers Peter Kohlgraf hatte er zuletzt selbst signalisiert, dass er sich «auf den Weg macht». In einem Schreiben an Pfarrgemeinden und Mitarbeiter hatte Kohlgraf jüngst zum Gebet für Lehmann aufgerufen und um dessen Leben gebangt.

Der gebürtige Sigmaringer war von 1983 bis 2016 rund 33 Jahre lang Bischof des Bistums Mainz, das sich auf Gebiete in Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, dazu kommt die Exklave Wimpfen in Baden-Württemberg. Von 1987 bis 2008 leitete Lehmann die Deutsche Bischofskonferenz. Nachdem er 2011 zwei künstliche Kniegelenke erhalten hatte, bereitete ihm das Gehen Probleme.

Kardinal Lehmann und seine Verbindungen zu Pforzheim

2013 wurde Lehmann und dem früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, der Reuchlinpreis 2013 der Stadt Pforzheim übergeben. Sowohl Lehmann wie Huber hatten schon in jungen Jahren die Stadt Pforzheim kennengelernt. „Ich habe als Assistent meinen Lehrer Professor Dr. Karl Rahner im Jahr 1965 von München nach Pforzheim begleitet, als er den Reuchlinpreis erhielt und seine berühmte Rede hielt über den Dialog in der pluralistischen Gesellschaft“ sagte Kardinal Lehmann in einem Interview mit der PZ. Zudem merkte er an, dass sein Vater nach dem Bombenangriff vom 23. Februar 1945 eingesetzt war, die Toten zu bergen und Trümmer wegzuschaffen.

Altbischof Lehmann erinnert sich daran, „dass der Schwarzwald-Höhenweg von Pforzheim nach Basel das erste war, was mich schon als jungen Pfadfinder mit dieser Stadt verband. In dem Schwarzwalddorf, in dem wir als Familie Ferien machten, hatte ein Pforzheimer Schmuckunternehmen ein Urlaubsquartier für seine Mitarbeiter. Später kam ich zu Tagungen nach Pforzheim. Lauter gute Erfahrungen!“

In seinen Dankesworten bei der Preisverleihung ging Karl Kardinal Lehmann weitgehend auf Johannes Reuchlin ein, auf dessen Mut und Gerechtigkeitssinn. Reuchlin habe sich eine große Bedeutung in der Geschichte der Toleranz erworben, sagte er.

Mit 80 Jahren in den Ruhestand

Im Mai 2016 ging er mit 80 Jahren in den Ruhestand. Er hatte den Papst aus Altersgründen darum gebeten, seinen Dienst als Bischof zu beenden. Zu seinem Abschied kamen rund 1200 Menschen in den Mainzer Dom. Danach wollte Lehmann weiter in Theologie, Philosophie und Ökumene tätig sein. Im August 2017 trat Kohlgraf seine Nachfolge an - das war der letzte öffentliche Auftritt von Lehmann.

Er bezog in vielen Debatten klar Stellung - zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Er setzte sich für ein Diakonenamt für Frauen ein. Während der Flüchtlingskrise warb er für Solidarität und Verständnis. Lehmann zeigte sich beunruhigt über die AfD und hielt sie aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Kirchen ehrte ihn die Evangelische Kirche in Deutschland 2016 als ersten katholischen Träger mit der Martin-Luther-Medaille.

Der Kardinal war auch Autor zahlreicher Bücher - und Ehrenmitglied des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05. Als einen der Höhepunkte in seiner Zeit als Mainzer Bischof bezeichnete er einmal den Katholikentag 1998 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Tiefpunkte waren für ihn die Fälle sexuellen Missbrauchs und die Auswirkungen der Affäre um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der hatte rund 30 Millionen Euro in einen protzigen Bischofssitz verbaut und war im März 2014 unter anderem deswegen abberufen worden. Dieser Finanzskandal hatte viele Kirchenaustritte zur Folge.

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