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Oscar Pistorius darf vorerst im Hausarrest bleiben © dpa
08.12.2015

Pistorius bleibt im Hausarrest - Gang vors Verfassungsgericht geplant

Pretoria (dpa) - Der frühere Spitzensportler Oscar Pistorius darf vorerst im Hausarrest bleiben und muss zunächst nicht zurück in Haft. Der 29-jährige Südafrikaner muss eine Kaution von 10 000 Rand (640 Euro) zahlen und wird künftig elektronisch überwacht. Das verfügte Richter Aubrey Ledwaba am Dienstag bei einer Anhörung zu neuen Bewährungsauflagen in Pretoria.

Die Auflagen gelten bis ein Gericht im nächsten Jahr neu über die Dauer von Pistorius' Haftstrafe entscheiden wird. Ihm droht wegen der tödlichen Schüsse auf seine damalige Freundin Reeva Steenkamp eine Verurteilung zu mindestens 15 Jahren Haft. Pistorius' Anwalt kündigte an, den Fall vor das Verfassungsgericht bringen zu wollen.

Der unterhalb der Knie amputierte Ex-Sprinter wird die Villa seines Onkels in Pretoria, wo er seinen Hausarrest absitzt, täglich zwischen 7.00 Uhr morgens und 12.00 Uhr mittags verlassen dürfen, wie der Richter erklärte. Er darf sich in einem Radius von 20 Kilometer rund um das Haus bewegen. Alle Pässe muss er abgeben, um einer möglichen Fluchtgefahr vorzubeugen, wie Ledwaba weiter sagte.

Pistorius verfolgte die Anhörung zumeist mit versteinerter Miene. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit der Urteilsverkündung der ersten Instanz im Oktober vergangenen Jahres. Den Gerichtsunterlagen zufolge hat Pistorius mit einem Jura-Fernstudium an der «London School of Economics» begonnen. «Für das Fernstudium brauche ich täglich Zugang zum Internet», erklärte er.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich vor der Anhörung im Wesentlichen auf die etwas verschärften Bewährungsauflagen verständigt. Bislang gab es zum Beispiel keine elektronische Überwachung. Die strengeren Auflagen ersparen Pistorius zunächst eine Rückkehr ins Gefängnis. Die Kautionssumme wurde so niedrig angesetzt, weil der 29-Jährige seinem Anwalt Barry Roux zufolge kein Geld mehr hat. Die Staatsanwaltschaft habe zunächst eine Garantiesumme von einer Million Rand gefordert. «Er hat das Geld einfach nicht», sagte Roux. Das Gericht will die Auflagen am 18. April erneut überprüfen.

Ein Berufungsgericht hatte Pistorius wegen der tödlichen Schüsse vom Valentinstag 2013 auf Steenkamp vergangene Woche des Mordes für schuldig befunden. Nach deutschem Recht entspricht der Straftatbestand am ehesten dem Totschlag. Pistorius droht nun eine Haftstrafe von normalerweise mindestens 15 Jahren. Die Entscheidung über das neue Strafmaß wird jedoch erst im nächsten Jahr fallen.

Pistorius wird nun auch vor das Verfassungsgericht ziehen, um das Urteil des Berufungsgerichts anzufechten, wie Anwalt Roux erklärte. Die Verteidigung wolle argumentieren, dass Pistorius wegen des großen medialen Drucks vor Gericht kein faires Verfahren bekommen habe.

Staatsanwalt Gerrie Nel sagte, der Gang vor Verfassungsgerichts sei Pistorius' gutes Recht, «aber wir sind nicht überzeugt, dass er eine gute Argumentation hat». Experten sehen die Chancen, dass sich das Verfassungsgericht des Falles annimmt, als sehr gering an.

In erster Instanz war Pistorius im Oktober 2014 wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Nach einem Jahr Haft wurde er dann wegen guter Führung in den Hausarrest entlassen.

Pistorius wurden als Kind wegen eines Gen-Defekts beide Unterschenkel amputiert. Trotzdem legte der zähe Sportler dank J-förmiger Karbon-Prothese eine steile Sprinter-Karriere hin: 2012 startete er als erster beinamputierter Sportler der Olympia-Geschichte bei den Olympischen Spielen. Er wurde Achter mit der Staffel über 4 x 400 Meter und kam als Einzelstarter bis ins 400-Meter-Halbfinale. Bei den Paralympics holte er Doppel-Gold.