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03.07.2013

Plauderei mit Protokoll - was Zschäpe dem BKA verriet

München. Wollte Beate Zschäpe aussagen? Hat nur ihr Verteidiger sie davon abgehalten? Diesen Schluss könnte ein Gespräch nahelegen, dass die Hauptangeklagte im NSU-Prozess im vergangenen Sommer mit zwei Kriminalbeamten führte. Einer von ihnen sagte am Mittwoch vor Gericht aus. Da Zschäpe vor Gericht schweigt, gewinnen auch solche Berichte vom Hörensagen eine gewisse Bedeutung.

Bildergalerie: Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess: Beate Zschäpe

Der BKA-Beamte hatte Zschäpe auf dem Weg vom Gefängnis in Köln nach Jena begleitet; dort sollte sie ihre Mutter und ihre Großmutter sehen. Vier Stunden Fahrt hin, vier Stunden zurück, in einem VW-Bus mit abgetönten Scheiben - reichlich Zeit zum Reden. Obwohl Zschäpes Verteidiger zuvor darauf hingewiesen hatte, dass seine Mandantin nicht aussagen wolle, schickte das BKA zwei erfahrene Ermittler zur Begleitung - und die verwickelten Zschäpe in ein Gespräch. Keine Vernehmung, wie der Beamte betonte. Nur eine harmlose Plauderei. Nur, dass er anschließend ein Protokoll darüber anfertigte.

«Das lief alles in einer freundlichen Atmosphäre ab», sagte der Beamte. «Die Zeit verging wie im Flug.» Der joviale Rheinländer fing beim Wetter an und kam schnell dazu, dass es auf Fehmarn ja immer besonders schön sei. Fehmarn - war da was? Ach ja, dort hatte das NSU-Trio öfter Urlaub gemacht. Zschäpe wollte nichts dazu sagen.

Dafür sagte sie, dass sie eigentlich aussagen wollte. «Ja, sie wollte das eigentlich, insbesondere als es ihrer Großmutter schlecht ging», sagte der Beamte. Der habe sie erklären wollen, was passiert sei. «Wenn sie aussagt, dann vollständig und umfassend», habe sie gesagt. «Sie sei niemand, der nicht zu ihren Taten steht.» Ihr Anwalt habe aber von einer Aussage abgeraten. Der Beamte gab zu bedenken, dass es auch andere Anwälte gebe, die ihren Mandanten dazu raten, auszupacken.

So weit ging Zschäpe nicht - aber immerhin ließ sie sich zu einigen Lästereien über ihren Anwalt Wolfgang Heer hinreißen. «Sie war sehr, sehr unzufrieden mit der Arbeit ihres Verteidigers», erzählte der Beamte. «Er macht ja eigentlich sehr wenig», habe sie gesagt. Und der zweite Verteidiger Wolfgang Stahl, «der hätte immer die gleiche Meinung wie Herr Heer, und darum sei sie ganz froh, sich mal mit uns zu unterhalten», berichtete der Ermittler.

«Alle um sie herum wollen irgendwas von ihr», habe Zschäpe geklagt - «entweder in die Presse, oder Geld verdienen oder Ermittlungsansätze». Und ständig lese sie aus Aktenteilen in der Zeitung. Ihr Anwalt habe gesagt, dass er nichts weitergegeben habe. Ob vielleicht das BKA? «Nein, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass jemand Aktenteile rausgibt», sagte der Beamte. Gelächter auf der Pressetribüne.

Zschäpe-Verteidiger Stahl fragte, ob das Gespräch dazu dienen sollte, gezielt in das Vertrauensverhältnis zwischen Mandantin und Verteidigung einzugreifen. Der BKA-Beamte ließ sich davon nicht verunsichern: «Das Vertrauensverhältnis hat zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden, das hat Frau Zschäpe klar zum Ausdruck gebracht.» Zschäpes Verteidiger forderen, die Aussage des Beamte nicht weiter im Prozess zu verwerten. Die Plauderei sei in Wirklichkeit eine Vernehmung gewesen, hierüber sei Zschäpe aber nicht ausreichend belehrt worden.

Bundesanwalt Herbert Diemer meinte hingegen, es bestehe «überhaupt kein Grund», die Aussage nicht zu nutzen. Solche Gespräche zwischen Ermittlern und Beschuldigten seien völlig normal. «Da kann man nichts Schlimmes dran finden.»

An einem anderen Punkt will die Bundesanwaltschaft hingegen auf einen Zeugen verzichten: Zschäpes Brieffreund solle nicht vor Gericht gehört werden. 26 Seiten hatte sie an einen Dortmunder Neonazi geschrieben, der in Bielefeld im Gefängnis sitzt. Für die Beteiligung Zschäpes an den Terroranschlägen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) sei das aber ohne Bedeutung.