nach oben
Der Mann war Milliardär. Nun wurde seine Leiche in einem Pflaumenbaumhain gefunden. Ein Rätsel mehr im Drama um den Untergang der südkoreanischen Fähre «Sewol». Foto: dpa
Der Mann war Milliardär. Nun wurde seine Leiche in einem Pflaumenbaumhain gefunden. Ein Rätsel mehr im Drama um den Untergang der südkoreanischen Fähre «Sewol». Foto: dpa © dpa
22.07.2014

Polizei bestätigt: Reeder der Unglücksfähre «Sewol» ist tot

Seoul (dpa) - Fast 100 Tage nach dem Untergang der Unglücksfähre «Sewol» in Südkorea hat die Polizei den Tod des mit Haftbefehl gesuchten Reeders bestätigt. Man habe die Leiche des seit Monaten verschwundenen 73-Jährigen identifiziert, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag unter Berufung auf die Polizei. Die stark verweste Leiche von Yoo Byung Eun sei im Juni in Suncheon, etwa 415 Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul gefunden worden und anhand von DNA-Spuren sowie eines Fingerabdrucks identifiziert worden, hieß es weiter. Der tote Milliardär wurde demnach unweit seines Ferienhauses in einem Pflaumenbaumhain entdeckt.

Der genaue Zeitpunkt des Todes sowie die Ursache stünden noch nicht fest. Um die Identität eindeutig festzustellen wurde auch die DNA des Bruders des Toten abgeglichen. Nach Yoo und seinem ältesten Sohn war seit dem Unglück vom 16. April mit 292 Toten landesweit gefahndet worden. Sie standen unter dem Verdacht der Korruption und der Veruntreuung. Für seine Ergreifung war eine Belohnung von 500 Millionen Won (etwa 363 000 Euro) ausgesetzt.

Der schwerreiche Yoo, der sich auch als Fotograf einen Namen gemacht hatte, galt als schillernde Figur und eine Art spiritueller Führer der Evangelikalen Baptisten-Kirche. Bei dem Versuch, Yoo auf dem Gelände der Sekte in Ansong südlich von Seoul aufzuspüren und festzunehmen waren im Juni Tausende Bereitschaftspolizisten im Einsatz. Vier Mitglieder der Sekte standen unter dem Verdacht, Yoo vor dem Zugriff der Fahnder zu schützen.

Die Fähre «Sewol» war am 16. April mit 476 Menschen an Bord vor der Südwestküste Südkoreas gekentert. Mindestens 292 Menschen kamen ums Leben. Noch immer gelten zwölf Insassen als vermisst. Die meisten Passagiere der Fähre waren Schulkinder. Mehr als 70 Kinder, die den Untergang der «Sewol» überlebten, kehrten Ende Juni auf eigenen Wunsch an ihre Schule zurück.

Die Reederei soll die Fähre aus Profitgier regelmäßig überladen haben. Der Kapitän und 14 weiteren leitenden Crewmitgliedern und vier Managern der Reederei Chonghaejin Marine wird in getrennten Verfahren der Prozess gemacht. Der Crew wird vorgeworfen, die Insassen der Fähre im Stich gelassen zu haben. Der Chef der Reederei und andere Manager müssen sich unter anderem wegen des Vorwurfs der Fahrlässigkeit verantworten.