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Eine Nation unter Schock: Weit über 100 Menschen wurden beim Amoklauf eines Waffennarren in Lüttich verletzt. © dpa
Sechs Tote und über 100 Verletzte hat das Attentat eines Waffennarren gekostet, der mit Handgranaten um sich warf und wahllos in eine Menschenmenge schoß. © dpa
Noch schwankt die Zahl der Toten eines Attentats oder Amoklaufs in Lüttich zwischen zwei und vier, die Zahl der Verletzten liegt offiziell bei 64. Ein Mann soll Handgranaten auf eine Bushaltestelle geworfen haben. © dpa
Zahlreiche Verletzte hat ein Attentat in Lüttich gefordert, bei der auch zwei Menschen ums Leben kamen. Einer davon ist wahrscheinlich einer von zwei Attentätern. Die Motive sind noch unklar. © dpa
13.12.2011

Polizeibekannter Waffennarr wirft Handgranaten

Lüttich. Der Amokläufer von Lüttich hat vier Menschen getötet und sich selbst das Leben genommen. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwochmorgen mit, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Am Tag des Blutbads war zunächst von sechs Toten die Rede gewesen. Nach ersten Erkenntnissen begann der Amoklauf bereits am Dienstagmorgen: Der Täter Nordine A. hat laut Staatsanwältin zuerst die 45 Jahre alte Putzfrau des Nachbarn in einem Schuppen mit Kopfschuss getötet. Zuvor hatte es geheißen, die tote Frau sei die Putzfrau des Täters gewesen.

Danach habe er drei Granaten auf eine Bushaltestelle in der Innenstadt geworfen. Dort starben ein Kleinkind von 17 Monaten sowie zwei Studenten von 15 und 17 Jahren. Kurz danach richtete sich Nordine A. selbst mit einem Revolver. Eine 75-jährige Frau, die zunächst für tot erklärt worden war, habe überlebt, sagte die Staatsanwältin.

Der Täter hatte Handgranaten und Schüsse in die Menge auf einem zentralen Lütticher Platz abgefeuert. Nach neuesten Zahlen sind 125 Menschen verletzt, von denen ein Viertel von Psychologen betreut werde. Fünf Menschen befänden sich noch in einem kritischen Zustand. Unter ihnen sind die 75-Jährige, die am Vortag für tot erklärt worden war und ein 20-Jähriger, der am Kopf operiert worden sei.

Trauer und Fassungslosigkeit in Belgien: Einen Tag nach der Bluttat mit fünf Toten in Lüttich geht das Rätselraten um das Motiv des Täters weiter. Der 33-Jährige, der Granaten warf und offenbar wahllos mitten im weihnachtlichen Einkaufstrubel auf die Menschen schoss, war der Polizei als gewalttätig bekannt und bereits wegen illegalen Waffenbesitzes vorbestraft. Er sei ein Einzeltäter gewesen, ein terroristischer Hintergrund werde ausgeschlossen, teilten die Behörden mit. Nach der Tat hatte sich der Mann den Angaben zufolge selbst erschossen.

Am Mittwochabend sollte nach einem Bericht des belgischen Rundfunks RTBF mit einer Schweigeminute vor dem Fußball-Europa-League-Spiel des RSC Anderlecht gegen Lokomotive Moskau der Opfer gedacht werden.

Der 33 Jahre alte Täter hatte am Dienstagmittag auf einem zentralen Platz in der Innenstadt von Lüttich gleich neben einem Weihnachtsmarkt Handgranaten gezündet und um sich geschossen. Außer dem Kleinkind und dem Täter selbst starben auch zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche sowie eine 75-Jährige Frau.

Wie die Lütticher Staatsanwältin Danièle Reynders mitteilte, war der 33-Jährige wegen seiner Gewaltdrohungen polizeibekannt. 2008 war er wegen illegalen Waffenbesitzes zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Am Dienstag sollte er zu einer Anhörung bei der Polizei erscheinen, tauchte dort aber nicht auf.

Der Anschlag ereignete sich gegen Mittag auf dem St.-Lambert-Platz in der Innenstadt, gleich neben einem Weihnachtsmarkt. Der Attentäter wohnte ganz in der Nähe. Er warf nach ersten Erkenntnissen mehrere Handgranaten auf eine Bushaltestelle, an der viele Menschen warteten, dann schoss der 33-Jährige auf die Wartenden.

Laut Staatsanwaltschaft starb einer der beiden Jungendlichen noch am Tatort, meldete Belga. Das knapp anderthalb Jahre alte Kleinkind erlag nach Krankenhausangaben am späten Abend um 22.45 Uhr seinen schweren Verletzungen.

Das Blutbad sorgte für Entsetzen und tiefe Trauer. Der belgische Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. den Tatort. «Das ganze Land teilt Ihren Schmerz», sagte Di Rupo an die Adresse der Familien der Opfer. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt. Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer «Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat». Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister für Mittwochmorgen an.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Abend in Berlin: «Wir trauern mit Belgien um die Opfer dieses Verbrechens. Den Angehörigen und Freunden gilt unser Mitgefühl, und den Verletzten wünschen wir baldige Genesung.» Führende EU-Politiker bekundeten ebenfalls ihr Beileid. dpa

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