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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
20.10.2014

"Polizeiruf 110" - ein Füllhorn an Klischees aus dem Amigo-Land

Das gibt es doch nur in Bayern, wo der bis zur Selbstparodie arrogante alte Adel in den neuen Hightech-Megaunternehmen das Regime führt, wo in der Trachtenjacke ein heimatverbackenes Rund-um-den-Kirchturm-Gefühl serviert und sich dann im edlen Maßanzug ungeniert an den fernen Fleischtöpfen der verhassten, weil aus der Fremde dreinredenden EU bedient wird. Und wenn solch ein blau- wie kaltblütiger Ökonomiezocker auch noch gut aussieht, kann er im Amigo-Land als CSU-Mitglied in die höchsten Kreise der Macht aufsteigen. So weit so richtig. Doch was sich daraus im „Polizeiruf 110: Smoke on the Water“ entwickelte, war dann doch zu viel Klischee und zu viel Weltverschwörung.

Ein Typ wie Karl-Theodor zu Guttenberg, dieser Baron Dr. Joachim von Cadenbach (Ken Duken). Jung, adelig, erfolgreich, Doktortitel-Träger, auf dem Sprung ins Zentrum der politischen Macht. Und der Baron mit einem bis anno Tobak zurückreichenden Stammbaum sieht obendrein noch so gut aus, dass nicht nur die Töchter, sondern auch gleich noch die Schwiegermütter ekstatisch ans oder unters Dirndl greifen. Wenn er nicht mindestens einmal am Tag Sex hat, so protzt Dauerschnacksler von Cadenbach, bekommt er Rückenschmerzen. Da haben die „Polizeiruf“-Macher ordentlich in die Klischee-Kiste gegriffen.

Doch es kommt noch besser, denn die geheime Macht hinter dem selbstherrlichen Adelsspross verbirgt sich auf einer kleinen englischen Kanalinsel. Dort residieren, von ein paar Bed&Breakfast-Engländern mit frankophilen Neigungen abgesehen, die internationalen Weltverschwörer-Briefkastenfirmen – und die schicken ihre Killertrupps in ein bayerisches Gefängnis, um dort als Polizisten verkleidet mal eben so mir nichts, dir nichts einen armen Jazzsaxophonisten aufzuhängen. Der war Mitwisser eines vom Auf-und-nieder-Baron verübten Mordes an einer Enthüllungsjournalistin und schien bereit zu sein, für von Cadenbach ins Gefängnis zu gehen.

Diese Konstruktion war schon an den Haaren herbeigezogen und nervig. Aber leider nicht das Ende der Fahnenstange. Der ermittelnde Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ist auch noch einer, der adelig ist und obendrein auf dem gleichen Internat wie der böse Baron war. Und dann ist da noch die Freundin der Ermordeten, die nebenher ermittelt und deshalb schmerzhaft Bekanntschaft macht mit den von Guernsey ferngesteuerten Bösewichtern mit der weißen Gesichtsmaske, die albern aussieht und zu allem Überfluss auch noch an Guy-Fawkes-Masken von Anonymous-Aktivisten erinnert. Zum Ende des Films ist ein ganzer Trupp von Söldnern mit weißen Masken auf dem Weg zum großen Reinemachen. Das volle Zitat- und Klischee-Programm eben.

Wollte der „Polizeiruf 110: Smoke on the Water“ witzig, sarkastisch, spannend oder aufklärerisch sein? Ich weiß es nicht, ich war einfach nur genervt von dem viel zu dick und viel zu kitschig aufgetragenen Adels- und Verschwörungs- und Internats- und Porno-Theater. Das muss man nicht gesehen haben. Und daher geht mein Daumen runter.