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07.03.2010

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück prügelt sich im Ring

PFORZHEIM. Die Bühne für die Qualifikationskämpfe der Weltmeisterschaft der U-19-Boxer am Samstagabend in der Pforzheimer Jahnhalle ist wie gemacht für Uwe Hück. Unter tosendem Beifall springt der Porsche-Betriebsratschef in den mit Blut, Schweiß und Tränen getränkten Boxring und schnappt sich das Mikrofon. 800 Zuschauer sind elektrisiert von der Aura des kahlköpfigen Kolosses. Er spricht über die Jugend und den Sport und liefert zwei Schaukämpfe als Thaiboxer ab.

Bildergalerie: Porsche-Betriebsrat Uwe Hück beim Thaiboxen in der Jahnhalle

Hück beherrscht die Kunst, die Massen für sich einzunehmen und er gibt dem „unheimlich übergalaktischen Publikum“ glaubwürdig das Gefühl, einer von ihnen zu sein. Bisweilen spricht der Volkstribun schneller als so manches Modell aus der Sportflitzer-Schmiede seines Arbeitgebers fährt.

Bildergalerie: U-19-Nationalteams boxen in der Pforzheimer Jahnhalle

Hängen bleiben Botschaften wie „Auf diesen Brettern bin ich groß geworden und ich bin stolz darauf“ oder „Junge Menschen können Anstand nur im Sport lernen.“ Junge Menschen – darum kreist im Wesentlichen seine engagierte Ansprache in der Stadt mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit in Baden-Württemberg. Und er ruft zur Unterstützung all jener auf, die am Rande der Gesellschaft stehen.

Beeindruckende Biographie

Hück weiß, wovon er redet. Er war zwei Jahre alt, als seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen und wuchs in Heimen auf. Heute ist das SPD-Mitglied stellvertretender Aufsichtsratschef von Porsche. Von ganz unten nach ganz oben – das ist die beeindruckende Biographie von Uwe Hück, dem es als Präsident des FSV Buckenberg ein großes Anliegen ist, Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen in den Verein zu integrieren.

Bildergalerie: WM-Qualifikationskampf für U-19-Boxer in Pforzheimer Jahnhalle

Dem Kampf mit Worten folgen aber am Samstagabend auch noch Kämpfe mit Fäusten, Füßen und Ellbogen folgen. Zwischen den WM-Qualifikationskämpfen der U-19-Boxer bestreitet Hück Einlagekämpfe im Thaiboxen gegen zwei Vereinskameraden. „Nachher werdet ihr einen anderen Menschen sehen“, droht er kraftstrotzend an und: „Ich muss jetzt raus, um meinen Tunnelblick aufzusetzen.“

Eine Stunde später ist es soweit. Rapklänge werden unterlegt mit markigen Aussagen von Hück. „Ich muss Kraft haben, ich muss Geld haben, dann erreich' ich was für andere“ ist so ein Satz. Dann kommt Hück. Seine Meister-Proper-Frisur unter einer Kapuze versteckt, stützt er sich auf Veranstalter Ayhan Isik, den Multi-Funktionär beim Boxcenter Pforzheim. Flankiert wird er von fünf Bodyguards. Es ist dann doch kein anderer Mensch, der im Ring steht. Es ist mehr ein Rollenwechsel, den Hück vollzieht. Der Arbeiterführer weicht dem Showman.

Gegner des zweifachen Thaibox-Europameisters sind Alexander Graf und Arthur Dyrka vom FSV Buckenberg. Hück, 100 Kilo schwer und vollkommen durchtrainiert, macht Mätzchen. Graf und Dyrka gehen K.o. – ohne viel Gegenwehr geleistet zu haben. Bei der Hück-Gala wollen beide offenbar nicht die Spielverderber geben. Allzu ernst nimmt das Treiben kaum einer in der Halle.

„Es sah sehr professionell aus“, bringt es Porsche-Personalvorstand Thomas Edig auf den Punkt. Siegfried „Bibi“ Kreutz fühlt sich ans Catchen erinnert. „Mir ist das zu viel Show“, sagt der Chef des Boxrings Blau-Weiß Pforzheim. Uwe Hück bekommt davon in der Ringmitte nichts mit und sucht den Kontakt zu den Boxfans, doch das Mikrofon streikt. „Der Pultmann hat etwas gegen mich. Macht das Licht aus, geht raus und lasst mich mit ihm allein“ schreit er im Scherz. Das johlende Publikum hat Hück wieder für sich gewonnen. Mit Worten statt mit den Fäusten.