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Chantal starb an einer Methadon-Überdosis - mit elf Jahren. Vor dem Hamburger Landgericht müssen sich ab heute die drogensüchtigen Pflegeeltern verantworten.
Chantal © dpa-Archiv
01.12.2014

Prozess gegen Pflegeeltern: Elfjährige Chantal starb an Überdosis

Fast zwei Jahre nach dem Methadon-Tod der elfjährigen Chantal müssen sich die Pflegeeltern von Montag an vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Chantal lebte bei den drogensüchtigen Pflegeeltern in Hamburg-Wilhelmsburg, als sie im Januar 2012 an einer Überdosis der Heroin-Ersatzdroge Methadon starb.

Das Gericht wirft dem 54 Jahre alten Mann und der 50-jährigen Frau fahrlässige Tötung in Tateinheit mit Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vor. Auf fahrlässige Tötung stehen bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Chantal hatte am Abend des 15. Januar 2012 eine von den Pflegeeltern ungesichert liegen gelassene Methadontablette eingenommen. Sie hatte geglaubt, es handle sich um ein Medikament gegen Übelkeit. Der Pflegevater verließ am nächsten Tag die Wohnung, obwohl Chantal im Bett liegenblieb. Am Nachmittag war die Elfjährige tot. In der Wohnung lagen der Anklage zufolge Methadon-Tabletten und auch Waffen ungesichert herum.

Das Mädchen stand damals unter Aufsicht des Jugendamtes. Der Behörde wurden später schwere Fehler vorgeworfen. Seit zwei Jahren beherrschen die Namen Chantal und Yagmur die Debatte in der Hansestadt über die Betreuung vernachlässigter Kinder. Vor einer knappen Woche hatte das Landgericht die Eltern der dreijährigen, zu Tode gequälten Yagmur verurteilt - die Mutter wegen Mordes, den Vater wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen.

Das Landgericht hatte zunächst eine Anklage gegen die Pflegemutter Chantals nicht zugelassen. Das Oberlandesgericht gab dann der Beschwerde der Staatsanwaltschaft statt und ließ die Anklage zu. Geplant sind zunächst sieben Verhandlungstage.