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Prozess gegen mutmaßlichen somalischen Piraten in Osnabrück © dpa
20.01.2014

Prozess gegen mutmaßlichen somalischen Piraten in Osnabrück

Osnabrück. Vor dem Osnabrücker Landgericht muss sich ab dem 21. Januar ein Somalier wegen der Entführung eines Chemietankers im Jahr 2010 verantworten. Das Schiff «Marida Marguerite», das einer Reederei aus dem emsländischen Haren gehört, war fast acht Monate lang in der Gewalt somalischer Piraten. Die Anklage lautet unter anderem auf erpresserischen Menschenraub und gefährliche Körperverletzung.

Der Mann gehörte laut Staatsanwaltschaft zu den Mitfinanzierern der Entführung und soll unter anderem Geld, Boote und Waffen besorgt haben. Er habe aber auch zeitweise das Oberkommando auf dem Schiff geführt. Die Besatzungsmitglieder mussten nach Erkenntnissen der Ermittler Misshandlungen, Folterungen und Scheinhinrichtungen über sich ergehen lassen. Die Polizei nahm den nach eigenen Angaben 44 Jahre alten Mann im vergangenen Jahr fest, als er unter falschen Namen ausgerechnet in Deutschland Asyl beantragen wollte.

Das Landgericht hat bis April 15 Verhandlungstage geplant und 18 Zeugen geladen. Es möchte aber auch Besatzungsmitglieder hören, um sich aus erster Hand ein Bild von den Vorgängen an Bord der «Marida Marguerite» zu machen. Diese müssten aus Indien nach Osnabrück reisen. Die Rechtshilfeersuchen seien gestellt worden, sagte ein Justizsprecher.

Wegen Schiffsentführungen vor der somalischen Küste wird damit nun zum zweiten Mal in Deutschland vor Gericht verhandelt. 2012 hatte das Landgericht Hamburg nach fast zwei Jahren Verhandlung zehn Männer aus Somalia zu Haftstrafen zwischen zwei und sieben Jahren verurteilt. Sie hatte den Frachter «Taipan» gekapert.