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Prostituierte stehen am 06.04.2011 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Am Dienstag findet in Münster das Berufungsverfahren zur Klage einer Prostituierten gegen die Schließung des Dortmunder Straßenstrichs statt.
Prostituierte stehen am 06.04.2011 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Am Dienstag findet in Münster das Berufungsverfahren zur Klage einer Prostituierten gegen die Schließung des Dortmunder Straßenstrichs statt. © dpa
10.08.2015

Prozess um Straßenstrich: Dortmund verteidigt Verbot vor Gericht

Dortmund. Vier Jahre herrschte angespannte Ruhe um den Dortmunder Straßenstrich. Jetzt kocht das schlüpfrige Thema wieder hoch. Das Oberverwaltungsgericht in Münster will an diesem Dienstag entscheiden, ob Prostituierte in Dortmund auf der Straße anschaffen dürfen. Vor allem geht es darum, ob der alte Straßenstrich in der Ravensberger Straße in der Nordstadt wieder geöffnet werden muss.

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Damals hatte der massenhafte Zuzug von neuen EU-Bürgern aus Bulgarien und Rumänien das Revier geradezu explodieren lassen. Hunderte Frauen tummelten sich auf der Straße. In der Nordstadt waren aufreizend leicht bekleidete Frauen auf ihrem Weg zur Arbeit kein seltener Anblick - auch für Kinder. Als sich die Zahl der Prostituierten verdoppelte und verdreifachte, zog die Verwaltung 2011 die Bremse und machte Schluss mit der Jugendgefährdung. Dortmund verbot die Straßenprostitution im gesamten Stadtgebiet. Eine Task-Force durchstreift bis heute die Nordstadt.

In anderen Großstädten kocht das Thema eher auf kleiner Flamme. In München dürfen Prostituierte an neun Orten auf der Straße anbahnen, wie beispielsweise auf der Zamdorfer Straße oder der Friedensstraße. Ein Problem sei das nicht, heißt es. Dazu gibt es meist besondere Zeiten. Zum Vollzug geht es ins Hotel, nach Hause oder dahin, wo es einfach nicht auffällt. In Dortmund gab es früher sogenannte Verrichtungsboxen neben der Anbahnungsstraße.

In Berlin ist der Straßenstrich wie in der Kurfürstenstraße, der Oranienburger Straße oder neuerdings an der B2 geduldet. Wie zum Beispiel auch Rostock verzichtet Berlin im Gegensatz zu anderen Großstädten auf eine Sperrgebietsverordnung. Probleme bereitet das den Stadtvätern nicht. In Köln wiederum hat die Verwaltung die Straßenprostitution in der Innenstadt und in weiten Teilen des Südens verboten. Im eher freizügigen Hamburg mit der Reeperbahn hat die Stadt im zum Sperrgebiet gehörenden St. Georg zu drastischen Maßnahmen gegriffen und droht Freiern bei Kontaktaufnahme 5000 Euro Strafe an.

Mit dem Totalverbot des Straßenstrichs in Dortmund hatte Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) allerdings die Rechnung ohne die Prostituierte Dany gemacht. Sie klagte am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ihren Arbeitsplatz ein und bekam vor zwei Jahren teilweise Recht.

Der Strich in der Ravensberger Straße und Umgebung blieb zwar geschlossen. Und auch im weiten Innenstadtbereich dürfen die gewerblichen Frauen nicht öffentlich mit ihrer Gunst werben. Aber für die Außenbereiche der Stadt hoben die Richter das Straßenverbot auf. Sie gaben den Hinweis, die Stadt solle einen neuen Straßenstrich in den Vororten suchen. Dann könne der Rest der Stadt möglicherweise zum Sperrgebiet erklärt werden. Damit haben sich die Stadtväter aber erst gar nicht befasst, wie Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch sagt. Dortmund will beim Berufungsverfahren in Münster auf ganzer Linie gewinnen.

Das Verbot hat sich aber schon bemerkbar gemacht. Reihenweise zogen Prostituierte aus Südosteuropa - manchmal Mütter, die für Geld sorgen mussten - in andere Städte wie Duisburg ab. Auf den Dortmunder Nordstadt-Straßen sind aber immer noch 20 bis 30 hartnäckige Frauen unterwegs, die illegal um Freier buhlen. Angebahnt wird meist im Schutz von Kneipen.