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In einem Prozess um den teuersten Teppich der Welt wird ein Urteil erwartet.
In einem Prozess um den teuersten Teppich der Welt wird ein Urteil erwartet.
25.01.2012

Prozess um teuersten Teppich der Welt: 7.2 Millionen statt 900 Euro

Augsburg. Im Rechtsstreit um den angeblich teuersten Teppich der Welt wird an diesem Freitag (27. Januar) das Urteil erwartet. Eine außergerichtliche Einigung war zuvor gescheitert. Eine ältere Dame fordert Schadensersatz von einem Augsburger Auktionator, der ihren geerbten Perserteppich aus dem 17. Jahrhundert auf 900 Euro schätzte. Im Oktober 2009 brachte der Teppich mit dem Blatt- und Blumenmuster bei einer Auktion in Augsburg 19 700 Euro ein. Bei einer erneuten Versteigerung wenige Monate später im Londoner Auktionshaus Christie's erzielte der Läufer dann umgerechnet die Rekordsumme von 7,2 Millionen Euro. Dafür will die frühere Besitzerin entschädigt werden.

Die Frau aus dem Raum Starnberg macht den Augsburger Auktionator dafür verantwortlich, dass ihr viel Geld entgangen ist und forderte anfangs 350 000 Euro. Das ist der Preis, auf den Christie's den Teppich vor der Auktion umgerechnet schätzte. Bei der Versteigerung kam es dann zu einer Bieterschlacht, die den Erlös in schwindelerregende Höhen trieb.

Später stimmte die Klägerin einem vorgeschlagenen Vergleich mit einer Zahlung von 100 000 Euro zu. Dies lehnte allerdings der beklagte Auktionator ab. Die Begründung: Wenn er dies zahlen müsse, könne er sein Geschäft dicht machen.

Warum der 338 mal 153 Zentimeter große Perserteppich so wertvoll ist, hat mehrere Gründe: Sein hohes Alter, die Herkunft aus der persischen Provinz Kerman, die hohe Zahl der Knoten und die Tatsache, dass er sich einst im Besitz der Comtesse de Béhague (1870-1939) befunden haben soll, die eine große Sammlung iranischer Kunst besaß.

Die Klägerin wirft dem Auktionator vor, dass er sich den sehr gut erhaltenen Teppich nicht genau angeschaut habe und schon nach einem kurzen Blick die Schätzsumme von 900 Euro notiert habe. Auch bei anderen Stücken habe er im «Sekundentakt» gearbeitet. «Das ging zack, zack», erzählte sie. Ihrer Ansicht nach hätte er Nachforschungen anstellen und erkennen müssen, dass es sich um einen außergewöhnlichen Teppich handelt. dpa