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Bei der Anhörung saßen die Angeklagten wie in Russland üblich in einem Gitterkäfig. Die Verteidigung forderte auch die Vorladung von Putin als Zeuge. Dies lehnte das Gericht aber ab. © dpa
20.07.2012

Putin-Gegnerinnen von Pussy Riot bleiben bis 2013 in U-Haft

In dem als «Schauprozess» kritisierten Verfahren gegen drei Gegnerinnen von Kremlchef Putin bleibt die Justiz in Moskau hart. Die jungen Musikerinnen der Punk-Band Pussy Riot sollen bis 2013 in Untersuchungshaft bleiben. Die Verteidigung der Frauen ist entsetzt.

Bildergalerie: Pussy Riot bleiben bis 2013 in U-Haft

Am Montag soll das Datum des Prozessbeginns bekanntgegeben werden. Den Angeklagten im Alter zwischen 22 und 29 Jahren drohen wegen einer Performance gegen Kremlchef Wladimir Putin in der wichtigsten Moskauer Kirche sieben Jahre Gefängnis.

Das Gericht folgte mit der Entscheidung einem Antrag der Staatsanwaltschaft, wie die Agentur Interfax meldete. Die Verteidigung kündigte Widerspruch an. Das Gericht habe die Argumente der Anwälte schlicht ignoriert, kritisierte der Jurist Mark Feigin.

Die Künstlerinnen hatten am 21. Februar mit einem «Punk-Gebet» im Heiligtum der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau die Gottesmutter angefleht, Russland von Putin zu erlösen. Amnesty International hat die Frauen als politische Gefangene anerkannt.

Am Rande der Verhandlung hinter verschlossenen Türen führte die Polizei bei Protesten von Anhängern und Gegnern der Band mindestens vier Menschen ab. Russische Schriftsteller, darunter der auch in Deutschland bekannte Autor Boris Akunin, kritisierten den Umgang der Justiz mit Pussy Riot. Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) sind bereits seit März in Haft.

Bei der Anhörung saßen die Angeklagten wie in Russland üblich in einem Gitterkäfig. Die Verteidigung forderte auch die Vorladung von Putin als Zeuge. Dies lehnte das Gericht aber ab.

In Berlin kritisierten die Grünen-Politiker Marieluise Beck und Volker Beck das Vorgehen scharf. Mit der Verhandlung wolle die Justiz die Künstlerszene «platt machen», hieß es in einer Mitteilung. Stefan Liebich von der Linkspartei sprach von einer «absurden Verfolgung».