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23.04.2010

Rasend schnelles Ungetüm mit 320 Tonnen Gewicht

Die „Pforzheimer Zeitung“ ist in der Region fest verwurzelt. Mit einer Auflage von 45.000 Exemplaren werktags und bis zu 55.000 Ausgaben samstags gehört die PZ zu den wenigen Tageszeitungen dieser Größenordnung, die noch völlig selbstständig sind – und zwar in allen Bereichen. Ausgezeichnet mit dem „International newspaper color quality award“ gehört die „Pforzheimer Zeitung“ mittlerweile zu den 50 bestgedruckten Zeitungen weltweit. Im PZ-Druckhaus werden zudem jede Woche rund 130.000 PZextra, das Anzeigenblatt der „Pforzheimer Zeitung“, gedruckt.

Bildergalerie: PZ-Druckhaus

Das geschieht auf einer Rotationsmaschine von MAN, die 1999 in Betrieb genommen wurde und stolze 320 Tonnen schwer ist. Für den Aufbau dieses Maschinenungetüms musste das PZ-Druckhaus aus Gründen der Statik aufwändig umgebaut werden. Die Rotationsmaschine hat drei Drucktürme mit je zehn Zylindern und drei automatischen Rollenwechslern. So können maximal 48 Seiten in Farbe gedruckt werden – bei einer Geschwindigkeit von 35.000 Exemplaren pro Stunde. Druckbeginn für eine Werktags-Ausgabe der „Pforzheimer Zeitung“ ist je nach Nachrichtenlage zwischen 23 und 24 Uhr. Gegen 2 Uhr ist der Druck beendet.

Die in Redaktion und Druckvorstufe im PZ-Medienhaus erstellten Zeitungsseiten werden auf digitalem Wege in die Belichtungsanlage im PZ-Druckhaus übertragen. Vollautomatisiert werden hier die Druckplatten belichtet, gestanzt und abgekantet ausgeworfen, so dass sie direkt auf die Druckzylinder aufgespannt werden können.

Vom Leitstand aus wird die Rotationsmaschine gesteuert: Druckgeschwindigkeit, Farbstellung, Wassermenge, Papiereinzug. Bis zu drei Papierbahnen werden – über viele Walzen geführt – zum Falzapparat gelenkt. Der gesamte Papierweg in der Maschine kann bis zu 95 Meter lang sein. Auch nach einem Papierriss können die Bahnen wieder automatisch „eingefädelt“ werden. Um ein gutes Druckergebnis zu erzielen, ist eine aufwändige Klimatisierung mit konstanter Luftfeuchtigkeit erforderlich. Das Papier wartet in unterschiedlich breiten Rollen im Papierlager auf den Einsatz. Die PZ verwendet ausschließlich Recycling-Papier mit einem Altpapieranteil von mindestens 90 Prozent. Eine ganze Rolle wiegt 1,3 Tonnen und hat eine Laufbahn von rund 20 Kilometer. Für eine Samstagausgabe wird eine Papierbahn von fast 400 Kilometer Länge benötigt.

Automatische Rollenwechsler ermöglichen eine Produktion ohne Unterbrechung. Ohne die Geschwindigkeit der Maschine zu verringern kann von einer zu Ende gehenden Rolle auf eine neue Rolle gewechselt werden. Die Rollen werden mit einem Klebestreifen miteinander verbunden.

Hat die Rotationsmaschine ihre Druckarbeit getan, „wandern“ die Zeitungen zum Falzapparat und danach über eine Transportkette weiter in den Versand.

Von mehreren Stationen „gefüttert“, können in der Einsteckabteilung in einer rotierenden Trommel die Prospekte vollautomatisch in die Zeitung eingelegt werden. Die Transportkette nimmt die nun mit Beilagen bestückten Zeitungen wieder auf und bringt sie einen Stock tiefer in den Versandraum. Außerdem können hier vorproduzierte Teile der Zeitung, zum Beispiel für die umfangreichere Samstagausgabe, auf Rollenstationen zwischengespeichert und später ebenfalls der Einstecktrommel zugeführt werden, so dass eine komplette Zeitung entsteht.

Weiter geht es mit der Zeitung auf der Transportkette in den Versandraum. Hier werden je nach vorgegebener Stückzahl automatisch die Pakete erstellt und mit einer Umreifung versehen. Jede Nacht werden hier für rund 350 PZ-Zusteller bis zu 3000 Pakete verladen. Zum Frühstück liegt dann die PZ sechs Tage in der Woche pünktlich im Briefkasten oder im Zeitungsrohr.