nach oben
© DPA-Symbolbild
10.03.2016

Religionskonflikt sorgte für Gewaltexzess - Flüchtlinge vor Gericht

Meiningen. Im Prozess um Ausschreitungen in einer Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Suhl hat die Staatsanwaltschaft den fünf Angeklagten enthemmte Gewalt vorgeworfen. Die 18 bis 27 Jahre alten Männer hätten aus einer aufgebrachten Menschenmenge heraus Eisenstangen, Steine und Knüppel eingesetzt, sagte Staatsanwalt Markus Knapp am Donnerstag zu Prozessbeginn am Landgericht Meiningen. Knapp sprach von einer regelrechten Jagd auf Polizeibeamte und ein Kamerateam des Senders MDR. Das bestätigte eine 24 Jahre alte Beamtin, die bei dem Einsatz verletzt wurde.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 24-Jährigen Iraker versuchten Totschlag vor, weil er bei den Ausschreitungen im Vorjahr mit erhobener Eisenstange schreiend auf die gleichaltrige Polizistin zugerannt sein soll. Zwei männliche Beamte hätten sie nur mit Mühe unter mehrfachem Einsatz von Pfefferspray schützen können. Die vier anderen Angeklagten sind wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt. «Sie beteiligten sich wissentlich und willentlich an den Ausschreitungen», sagte der Staatsanwalt.

Der Vorfall im August 2015 hatte sich an einem zerrissenen Koran entzündet. Dabei wurden insgesamt 17 Menschen verletzt, darunter Asylbewerber, Polizisten und Wachleute.

Vier der fünf Angeklagten entschuldigten sich für die Vorfälle. Sie bestritten jedoch, Menschen verletzt zu haben. Der Anwalt eines 18-Jährigen sagte, sein Mandant empfinde tiefe Scham. Er habe sich von anderen aufstacheln lassen. Die Angeklagten sitzen seit vergangenem Herbst in Untersuchungshaft.

Sieben Monate nach den Ausschreitungen ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen insgesamt 18 Tatverdächtigte Anklage erhoben worden. Gegen weitere 48 Tatverdächtige liefen die Ermittlungen noch, sagte Knapp. Für den ersten Prozess hat das Landgericht zunächst drei weitere Verhandlungstermine angesetzt. Weitere Prozesse sollen in Meiningen folgen.