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10.06.2008

Röhre und Mops sind out!

„Röhre ist out“ las ich kürzlich in einer der einschlägigen Modezeitschriften. Mit Röhre ist natürlich für Kenner die Röhrenjeans gemeint. Da könnte ich glatt hinzufügen: „Mops ist ebenfalls out!“ Wie ich darauf komme? Aus Erfahrung.

Immer wenn ich, so wie jetzt, für ein paar Tage in Hamburg bin, schweifen meine Gedanken voller Vorfreude schon ein Stückchen weiter nach oben und voraus, nämlich zur Insel Sylt, wo wir fast jedes Jahr bei Verwandten unseren Urlaub verbringen.

Wir werden natürlich wieder an den Hunde-FKK-Strand gehen, weil er von unserem Feriendomizil aus am schnellsten zu erreichen ist und weil er sich für uns bewährt hat. Nein, eigentlich müsste ich andersherum sagen: FKK-Hunde-Strand, denn die Hunde werfen ja nun wirklich nicht ihr Pelzchen ab, nur um sich dort zu tummeln. Allerdings behalten wir auch unsere Badekleidung an, weil wir nicht so gern „Sand ins Getriebe“ bekommen.

Nun bin ich wieder gespannt, welche Hunderasse in dieser Saison auf der Insel gerade in Mode ist!

Hunde gehören dort oben anscheinend in die Reihe der Statussymbole beziehungsweise zu den Mode-Accessoires. Wie man erkennen kann, welcher Jeansschnitt, welche Jacken- oder Taschenmarke zur Zeit trendy sind, genauso kann man in jeder Saison ausmachen, welche Hunderasse „in“ ist, weil sie im Straßenbild wie auch am Strand einfach prozentual am stärksten vertreten ist. Wer etwas auf sich hält, scheint die Hundemode mitzumachen.

Vor etwa 15 Jahren war es der Westie, der mit flottem Halstuch versehen, in großer Zahl über die Insel flanierte, vor ein paar Jahren der „Film-Dalmatiner“. Für Singles schien auch eine Zeit lang ein „Taschen- und Tisch-Hund“, in diesem Fall der Chihuahua, en vogue und praktisch zu sein. In den vergangenen Jahren sahen wir vermehrt den Border-Collie und den Mops.

Ich fragte mich oft: Woher bekommen die Leute bloß ihren Tip für den „richtigen“ Hund zur nächsten Saison? Und vor allem: Wo lassen sie dann ihren alten? Die Frauchen und Herrchen scheinen nämlich immer dieselben zu sein …

Vielleicht erfolgen Auswahl und Kürung des neuen Hundesuperstars ja auch schlicht und einfach nur durch gegenseitiges Ausfragen der Hundebesitzer, denn der Austausch über Hunde wird rege betrieben. Bevor man fragt, fragt man sich selbst: „Was hat der denn für einen? Mal, fragen, ob das eine Mischung ist oder womöglich eine Rasse oder Neuzüchtung, die ich noch nicht kenne und vielleicht haben müsste!?“

Im letzten Sommer genoss offensichtlich ein „Herrchen“ mit einem auffallend schicken, rassig wirkenden Hund größtmögliche Ansprache am Strand.

Auch wir konnten es uns nicht verkneifen zu fragen, was das denn für einer sei. Sicher zum hundertsten Mal antwortete der Besitzer unermüdlich und stolz: „Das ist ein Rhodesian Ridgeback!“

Als wir den Mann dann später ohne seinen Hund in der Stadt wieder trafen, scherzte mein Mann politically correct: „Na heute ohne ihren Simbabwean Ridgeback unterwegs?“ Woraufhin der Hundehalter amüsiert konterte: „Ja, in der Stadt mutiert der zum Mugabean Ridgeback- da soll er lieber zu Hause bleiben!“

Schade, er war nämlich schon mein Geheimtipp für die nächste Saison gewesen. Aber wenn er sich nicht auch souverän-lässig auf den Straßen Westerlands zu bewegen weiß, dann hat er wohl doch keine Chance auf den Star-Titel.

Nun bin ich also gespannt, welcher Hund diesmal das modische Rennen gewonnen hat. Es würde mich ja grämen, wenn es gar unser Cocker wäre! Wie verdächtig oft mussten wir uns im letzten Sommer über unseren feinen und trotzdem fröhlich-wilden Liebling ausfragen lassen: „Das ist ein Cocker Spaniel Schwarz Lohe, ein Hund der Liebe, der daher aus dem schönen Amorbach kommt!“

Ich trage ja gern mit allen Frauen dieser Welt die gleiche Handtasche und statt Röhre Schlaghose, aber, um mal ehrlich zu sein, es würde mir ganz schön stinken, wenn wir alle am Ende unserer Mode-Leine den gleichen Hund ausführen würden! Bei meinem Cocker hört für mich der Modespaß auf!