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Ornella de Santis (links) und Roman Lob (rechts) stehen im Finale von "Unser Star für Baku".
15.02.2012

Roman oder Ornella? Wer wird «Unser Star für Baku»?

Die Spannung steigt, die Entscheidung steht kurz bevor: Wer wird «Unser Star für Baku»? Das wird sich im Finale am Donnerstagabend in der ARD entscheiden. Die Offenburgerin Ornella de Santis kämpft gegen den Favoriten Roman Lob aus Neustadt/Wied in Rheinland-Pfalz. Einer von beiden wird nach Baku in Ascherbaidschan fahren und dort Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest vertreten

Bildergalerie: Wer wird «Unser Star für Baku»? Roman gegen Ornella

Roman hatte dabei zu Beginn noch nicht einmal gedacht, das Casting zu überstehen: «Weil das echt meiner Meinung nach Mist war, was ich da abgeliefert habe», sagte der 21-Jährige. Doch in den Live-Shows überzeugte er alle – fast immer stand er an Platz eins in der neu-eingeführten Blitztabelle. Ornella de Santis Erfolg kam dagegen für viele überraschend. Die 27-Jährige glänzte im Halbfinale vor allem mit einem portugiesischen-sprachigen Stück, das sie selbst geschrieben hatte.

Egal, wer jedoch von ihnen das Rennen macht, das Casting selbst steht als Verlierer dar. Die schon vorher oft gestellte Frage, ob sich die Suche nach dem deutschen Vertreter beim Eurovision Song Contest wirklich über acht Sendungen auswalzen lässt, kann mit einem klaren Nein beantwortet werden.

Auch das Halbfinale am Montagabend kam über 1,22 Millionen Zuschauer nicht hinaus. Das waren sogar noch ein Tick weniger als das von Sport1 übertragene Zweitligaspiel Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Frankfurt.

Wenn man sich seit der ersten Sendung ausgeklinkt hatte und dann am Montag wieder einschaltete, konnte man sich nicht vorstellen, dass dazwischen fünf Sendungen lagen. Alles schien unverändert. Links die durchgängig eingeblendete Blitztabelle mit der Kandidaten-Platzierung, der schöne Roman ganz oben, zwei Moderatoren, die alles sehr aufregend finden, und eine Jury, die unentwegt Nettigkeiten von sich gibt.

«Es lag ein unheimlicher Zauber in der Luft... so viel Tiefe und Persönlichkeit... Nummer auf den Leib geschrieben... internationales Niveau...» Die Schmeicheleien wollen kein Ende nehmen. Und der allergrößte Süßholzraspler ist ausgerechnet Stefan Raab. Derselbe, der in seinem «TV-Total»-Studio zähnebleckend die Leute niedermacht, verwandelt sich bei Betreten des nur wenige Meter entfernten «Baku»-Studios in eine Glucke, die ihre Küken umhegt. Dr. Jekyll und Mr. Hyde in Köln-Mülheim.

Aber die größte Schwäche dieser Reihe ist einfach, dass sie so sehr in die Länge gezogen wird. So gibt es jedesmal zu Anfang einen Einspielfilm, der noch mal in epischer Breite die Erfolgsgeschichte von Lena erzählt, das «Sommermärchen» von 2010. Ein Erklärstück wohl für jene unter uns, die gerade von einer zweijährigen Südpolexpedition zurückgekehrt sind.

Der Vergleich mit 2010 macht den Unterschied schmerzlich deutlich: Als damals Lena entdeckt wurde, schaffte es die Show durchaus, nach und nach ein größeres Publikum zu erobern. Dieses Mal ist das nicht so. Jedenfalls bisher nicht.

Zwar heißt es, die neue Lena sei ein Mann, und gemeint ist damit der Favorit Roman Lob (21) aus Neustadt (Wied) in Rheinland-Pfalz. Aber das lässt sich so kaum aufrecht erhalten. Roman ist nett, ja, aber Roman ist nicht Lena. Für ihn dürfte dieselbe Zielgruppe stimmen, die im Werbeblock für Nachhilfeunterricht gewonnen werden soll. Mit Roman im Finale steht die vielsprachige Italienerin Ornella de Santis aus Offenburg, die im Halbfinale eine eigene Komposition auf Portugiesisch zum Besten gab. Immerhin ein Kontrast.

Vielleicht haben die katastrophalen Quoten auch etwas mit dem derzeitigen Overkill an Casting-Shows zu tun. Am Ende kündigt sich hier ja doch der allmähliche Niedergang des Genres an. Wird das Fernsehpublikum der ihm zugedachten Lehrerrolle überdrüssig? Das ständige Benoten von Anfang Zwanzigjährigen muss doch irgendwann mal seinen Reiz verlieren.

Das Finale der in Raab Town Cologne produzierten Show steht zumindest in einer Hinsicht unter einem guten Stern: Am Donnerstag ist Weiberfastnacht. Da ist gute Stimmung in Köln garantiert. dpa/hol