nach oben
Am Tag der Nach: Eine Kerze und der zerkratzte Baum erinnern an den schrecklichen Unfall vom Sonntagmorgen. © Seibel
27.09.2010

Rote Kerze erinnert an tragischen Autounfall

FRIOLZHEIM/HEIMSHEIM. „Achtung Gefahr“ signalisiert das Ausrufezeichen auf dem Schild an der Landesstraße von Heimsheim nach Friolzheim: Tempo 50 wegen Straßenschäden. „15 Prozent Gefälle auf den nächsten 700 Metern“ warnt das nächste Schild, dort wo es vom Betzenbuckel hinuntergeht.

Bildergalerie: Am Tag danach: Kerze erinnert an tragischen Unfall

In diesem Bereich hatte ein alkoholisierter 17-Jähriger am Sonntagmorgen gegen 4.45 Uhr in einer Rechtskurve die Kontrolle über das Auto seiner Eltern verloren, das er sich ohne deren Wissen genommen hatte. Ein weißer Kreidepfeil der Polizei markiert die Stelle. Rund 50 Meter schlitterte der Wagen eine Böschung entlang. Gras und Sträucher sind plattgewalzt, Äste abgerissen.In den Büschen liegen die Radkappen und ein Leitpfosten. Dann zerschellte das Fahrzeug an einem Baum. Im Umkreis von 15 Metern liegen Glassplitter und andere Fahrzeugteile. Eine zerbrochene Musik-CD und eine Kaugummipackung erinnern an die Unbeschwertheit vor dem Unfall. Eine einsame rote Kerze an der Unglücksstelle erinnert an das Grausame, das folgte.

Bildergalerie: Passat prallt gegen zwei Bäume

Groß war die Betroffenheit an der Heimsheimer Ludwig-Uhland-Schule, wo drei der vier Verunglückten, darunter der 17-jährige Fahrer, letztes Jahr ihren Abschluss gemacht haben. „Die Schüler haben natürlich schon Bescheid gewusst, als sie heute morgen in den Unterricht gekommen sind. In unseren neunten und zehnten Klassen haben wir deshalb versucht, den Unfall gleich in den ersten beiden Stunden aufzuarbeiten“, erklärte Rektor Jürgen Grein gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“.

In diesen Klassen seien einige Schüler, die die Unfallopfer gut gekannt hätten. In den unteren Klassen sei der Unfall dagegen nicht von den Lehrern aus thematisiert worden. Wichtig zur Bewältigung des Geschehens sei nun, dass die Schüler möglichst schnell wieder zur Normalität zurückzufinden, so Grein, der den Unfall selbst noch nicht ganz fassen kann: „Erst vergangene Woche haben wir bei einer Krisenteamsitzung besprochen, was in so einem Fall zu tun wäre – und jetzt das…“ Traumatisch war der Unfall am Sonntag vor allem für die betroffenen Familien, aber auch für die Einsatzkräfte. Die Notfallnachsorge des Deutschen Roten Kreuzes Pforzheim-Enzkreis war mit einem vierköpfigen Team im Einsatz. „Oft ist es einfach wichtig, dass Menschen da sind, die ein Unglück mit aushalten, für das einem eigentlich die Worte fehlen“, so die Leiterin Gudrun Augenstein. Unterstützung bei Verzweiflung und Hilflosigkeit – das ist die Aufgabe, die auch den Helfern selbst nahe geht. Ganz wichtig für die Familien seien Traumapsychologen, die Betroffene nach schrecklichen Ereignissen betreuen.

Laut Polizei hatten die vier Verunglückten, die nach Informationen der PZ aus der Gemeinde Neuhausen stammen, eine private Geburtstagsparty besucht und sich dafür den elterlichen Passat genommen. Obwohl der Fahrer nur den Führerschein für Mopeds hatte. Und die jungen Männer waren am frühen Sonntagmorgen wieder eingestiegen, obwohl der Fahrer da schon viel Alkohol getrunken haben muss. Die Polizei spricht von 1,8 Promille. Es sei genau das passiert, was die Polizei mit ihrer Präventionsarbeit etwa im „Schutzengel“-Projekt verhindern will, sagte Oberstaatsanwalt Christoph Reichert gestern gegenüber „pz-news“. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Unfallfahrer wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs eingeleitet.

Junge Fahrer gelten bei der Polizei als Risikogruppe. Zwischen 2001 und 2007 waren im Bereich der Polizeidirektion Pforzheim 20 Prozent aller Todesopfer von Verkehrsunfällen und 23 Prozent aller Schwerverletzten zwischen 18 und 24 Jahre alt. Dass noch Jüngere ohne Führerschein Unfälle verursachen sei dagegen die große Ausnahme, so Polizeisprecher Stefan Wenz. Allerdings: Spritztouren von Teenagern hatten 2009 in Mönsheim, 2008 in Königsbach, 2006 in Wilferdingen und 2005 bei Engelsbrand zu teils schweren Unfällen geführt. 2008 hatte ein 18-Jähriger ohne Führerschein mit dem Auto der Eltern zwischen Salmbach und Langenbrand einen Unfall verursacht, der zwei Menschen das Leben kostete.