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31.03.2017

Rückspiegel: Die Kirche trägt ein schweres Kreuz

Vor Kurzem war ich bei einer Taufe eingeladen. Zwei Kinder, wenige Monate alt, waren der Grund dafür, dass die Kirche immerhin zu rund einem Viertel mit Angehörigen und Gästen der beiden Tauffeste gefüllt gewesen ist.

An anderen Sonntagen allerdings bleibe das Gotteshaus bis auf sehr wenige Besucher beinahe leer, sagte mir ein regelmäßiger Kirchgänger.

Man muss dieses Zeichen der Zeit erkennen – dann wundert es einen nicht mehr so sehr, weshalb die evangelische Kirche alleine in Württemberg in den kommenden Jahren die Anzahl ihrer Pfarrer von derzeit noch mehr als 1450 auf rund 1200 reduzieren möchte. Und weshalb es geplant ist, den bereits begonnenen Prozess des Zusammenlegens von Pfarrstellen fortzuführen.

Nun mag es für den geplanten Schwund an Pfarrstellen mehrere Gründe geben. Der wichtigste ist aber mit Sicherheit jener, dass es inzwischen in vielen Gemeinden schlicht und ergreifend an Menschen fehlt, denen die Dienste eines Pfarrers wirklich wichtig sind. Daran ist der demografische Wandel schuld – die Gründe sind allerdings auch in dem gesellschaftlichen Trend zu suchen, dass viele Bürger keinen Bezug mehr zum Glauben haben, zumindest nicht zum christlichen.

Dass eine Verbundenheit mit der Kirche dennoch in weiten Teilen der Bevölkerung verankert ist, zeigt sich immer dann, wenn es buchstäblich hart auf hart kommt. Wenn Kirchen saniert werden müssen, ist die Spendenbereitschaft der Menschen groß. Ein Ortsbild ohne Gotteshäuser wollen und können sich die allermeisten nicht vorstellen.

Und ein Leben ohne Pfarrer im Dorf? Wie sehr der Seelsorger vor Ort fehlen wird, dürften viele erst dann feststellen, wenn es womöglich zu spät ist.

Dabei kann man dem Trend – sollte einem etwas an den bestehenden Strukturen liegen – leicht entgegenwirken. Aus vollen Kirchen ist ein Pfarrer jedenfalls nur schwer zu vertreiben.