nach oben
Nach der fiesen Spuckattacke von Frank Rijkaard (Niederlande, rechts) gegen Rudi Völler (Deutschland) fliegen beide Spieler vom Platz. Am Ende aber gewinn die deutsche Nationalelf 2:1 auf dem Weg zum dritten WM-Triumph. © dpa
13.06.2012

"Schmach von München" und die Spuckattacke

Niederländisches Trauma nach dem Münchner WM-Endspiel, ausgelebte Revanche im Hamburger EM-Halbfinale und eine unvergessene Spuckattacke in Mailand: Zwischen Deutschland und den Niederlanden ging es immer heiß her - und es hatte häufig mit Fußball nicht viel zu tun.

Bildergalerie: Szenen einer Rivalität: Deutschland vs. Niederlande

Keine andere Auseinandersetzung schürt die Emotionen auf beiden Seiten derart wie der am Mittwoch in Charkow zum 39. Mal anstehende Klassiker. Zum Mythos wurde das Prestigeduell aber erst mit dem WM-Endspiel von 1974.

Die wichtigsten deutsch-niederländischen Fußball-Duelle:

7. Juli 1974, München, WM-Finale: Mit «Voetbal Totaal» stürmt die Elf von Rinus Michels erstmals bei einer WM ins Endspiel. Doch dort endet für Johan Cruyff und Co. der Siegeszug, obwohl Johan Neeskens bereits in der 1. Minute per Strafstoß das 1:0 gelingt. Paul Breitner und Gerd Müller drehen die Partie zum 2:1. Von diesem Trauma erholt sich die niederländische Fußball-Seele lange nicht.

18. Juni 1978, Cordoba, WM-Zwischenrunde: Diesmal erweisen sich die Oranjes für die deutsche Elf als Spielverderber. Rene van de Kerkhof trifft in der 84. Minute zum 2:2-Endstand, nachdem Helmut Schöns Team durch Rüdiger Abramczik und Dieter Müller zweimal geführt hat. Damit sind die Träume vom erneuten deutschen Final-Einzug passé.

14. Juni 1980, Neapel, EM-Vorrunde: Und wieder triumphieren die Deutschen. Drei Tore des überragenden Klaus Allofs zum 3:2 ebnen der Mannschaft von Jupp Derwall den Weg ins Finale von Rom, wo mit dem 2:1 gegen Belgien der zweite EM-Triumph gelingt. Sein Debüt im Stadio Sao Paolo feiert der damals 19-jährige Lothar Matthäus.

21. Juni 1988, Hamburg, EM-Halbfinale: Auf diesen Moment haben die Nachbarn seit 14 Jahren gewartet: Dank Marco van Bastens Siegtor in der 89. Minute zum 2:1 gelingt die Revanche für die «Schmach» von München. Nach dem Schlusspfiff spielen sich im Volksparkstadion hässliche Szenen ab. Ronald Koeman putzt sich mit dem Trikot von Olaf Thon symbolisch den Hintern ab.

19. Oktober 1988, München, WM-Qualifikation: Schon vier Monate später treffen die Erzrivalen im Endspielstadion von 1974 erneut aufeinander, doch die Partie hält nicht, was das Ballyhoo im Vorfeld verspricht. Die Defensivreihen überragen, es fallen keine Tore.

26. April 1989, Rotterdam, WM-Qualifikation: In aufgeheizter Atmosphäre findet das Rückspiel im Stadion De Kuip statt. Van Basten gleicht drei Minuten vor Schluss die deutsche Führung von Karl-Heinz Riedle zum 1:1-Endstand aus - beide fahren zur WM. Niederländische Hooligans machen vor und nach dem Spiel Jagd auf deutsche Fans.

24. Juni 1990, Mailand, WM-Achtelfinale: Die Spuckattacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler bringt die Gemüter in San Siro zum Kochen. Beide Spieler werden vom Platz gestellt. Die Deutschen behalten anschließend ihre Nerven im Zaum. Der herausragende Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme schießen beim 2:1 den wohl wichtigsten Sieg für die DFB-Elf auf dem Weg zum dritten WM-Triumph heraus.

18. Juni 1992, Göteborg, EM-Vorrunde: Im letzten EM-Gruppenspiel ist die deutsche Elf im Ullevi-Stadion gegen die Oranjes chancenlos. Rijkaard, Rob Witschge und Dennis Bergkamp machen bei einem Gegentor von Klinsmann das 3:1 perfekt. Während es die Elf von Berti Vogts trotzdem bis ins Finale schafft, endet die EM-Mission der Niederländer in der Vorschlussrunde gegen den späteren Überraschungssieger Dänemark.

15. Juni 2004, Porto, EM-Vorrunde: Ganze neun Minuten fehlen der deutschen Mannschaft zum Auftaktsieg beim Turnier in Portugal. Dann macht Ruud van Nistelrooy mit dem 1:1 die Hoffnung zunichte. Torsten Frings hat die als Außenseiter gestartete DFB-Elf in Führung gebracht. Der Punktgewinn hat keine Signalwirkung: Nach dem 0:0 gegen Lettland und dem 1:2 gegen Tschechien heißt es Koffer packen. dpa