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Dr. Stefanie Buchen (rechts) erklärt einer Patientin Mammografie-Bilder.
Dr. Stefanie Buchen (rechts) erklärt einer Patientin Mammografie-Bilder. © Ketterl
26.06.2014

Schonende Behandlung

Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Laut Robert Koch Institut gibt es dieses Jahr rund 70 000 Neuerkrankungen in Deutschland.

„Brustkrebs ist eine sehr ernste Erkrankung, aber kein Notfall, so dass wir die Behandlung Schritt für Schritt planen können“, erklärt Dr. Stefanie Buchen, Leiterin des Brustzentrums am Klinikum Pforzheim. Neben der Heilung sind der Erhalt oder gegebenenfalls Neuaufbau der betroffenen Brust und damit vor allem die Lebensqualität der Patientin Ziel der medizinischen Behandlung.
Brustkrebs ist ein niederschmetternder Befund, dessen Therapie Schritt für Schritt geplant werden muss. Mittlerweile geht es aber nicht nur um die Entfernung des Tumors. So hat auch die Radikalität von Brustkrebsoperationen abgenommen, und die plastischen Rekonstruktionsverfahren haben sich gerade in der jüngeren Vergangenheit sehr gut weiterentwickelt. Mit neuen Operationsverfahren können heute bis zu 80 Prozent der Patientinnen brusterhaltend operiert werden.

Das Brustzentrum am Klinikum Pforzheim bietet ein vollständiges senologisches Behandlungsspektrum (Senologie = Lehre von der Brust) für eine umfassende Versorgung. Dazu gehören: Prävention, Früherkennung, Diagnostik wie etwa Mammografie, leitlinienorientierte Therapien, beispielsweise die Operation, sowie die System- und Strahlentherapie bis hin zur Nachsorge. Dabei ist eine enge Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten bei der Diagnostik und Behandlung sowie Nachsorge einer Brustkrebspatientin notwendig.

Individuelles Schema
Im Brustzentrum werden nicht nur Brustkrebspatienten, sondern auch Frauen mit Fehlbildungen und dem Wunsch nach einer kosmetischen Brustkorrektur behandelt. „Für jede Patientin wird ein individuelles Behandlungsschema festgelegt“, erläutert die zertifizierte Brustoperateurin Buchen.

Lediglich 20 bis 30 Prozent der Patientinnen benötigen eine Brustentfernung. Das Brustzentrum am Klinikum hat für solche Fälle die besondere Expertise, den Frauen entweder mit Eigengewebe oder mit Implantaten weiterzuhelfen. „Wichtig ist, dass die jeweils beste Operation beziehungsweise Rekonstruktionsmethode individuell für die Patientin geplant wird, wobei viele Faktoren zu berücksichtigen sind. So muss im Falle von Brustkrebs bei jeder brusterhaltenden Operation die Brust nachbestrahlt werden, da sonst zu 40 Prozent das Risiko eines erneuten Krebsbefalls besteht“, erläutert Stefanie Buchen.

Die Korrekturen verschiedenster Fehlbildungen sind oft besonders schwierige Operationen. „Heute gibt es viele Möglichkeiten, um gerade auch jungen Frauen ein besseres Lebensgefühl zu geben. Der Übergang von onkologischen zu plastisch-chirurgischen Eingriffen ist fließend und kann medizinisch entsprechend gut geleistet werden“, beschreibt Buchen die Fortschritte der heutigen Medizin.

Beratungen über eine prophylaktische Brustentfernung, zum Beispiel bei Brustkrebsmutationen, gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet des Brustzentrums. Dabei wird eng mit der Humangenetik in Karlsruhe und der Universität Heidelberg zusammengearbeitet. Durch eine vorbeugende Brustentfernung bei einer Mutation des Brustkrebsgens diese Maßnahme kann das Risiko bis zu 98 Prozent reduziert werden. „Nach eingehender Beratung mit den humangenetischen Instituten und bei uns im Brustzentrum werden solche Operationen auch von der Kasse übernommen“, erklärt Stefanie Buchen.
Hilfe ist schon bei Fehlbildungen möglich, die zum Beispiel angeboren oder durch einen Unfall entstanden sind. Und ganz besonders bei Krebs. Wichtig ist, den Brustkrebs frühzeitig zu erkennen, um damit die Heilungschancen zu verbessern und jeder Patientin die auf sie persönlich zugeschnittene beste Therapie anzubieten. „Deshalb ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung praktisch Pflicht“, betont Buchen.