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Eine Schießerei in einem Münchner Einkaufszentrum führte zum Ausnahmezustand in München. Auch der U-Bahn-Verkehr wurde eingestellt. © dpa
Ein Großaufgebot an Polizei eilte von 18 Uhr an zum Olympia Einkaufszentrum in München. Dort sollen mehrere Täter in die Menge geschossen haben. © dpa
22.07.2016

Schüsse im Olympia Einkaufszentrum in München - Neun Tote, darunter ein Täter

Ein beispielloser Terroranschlag in München erschüttert Deutschland: Unbekannte haben am Freitagabend in der bayerischen Landeshauptstadt nach Polizeiangaben mindestens acht Menschen erschossen und die Bürger in Panik versetzt. Ein neuntes Todesopfer könnte ein oder der Täter gewesen sein. Mindestens 21 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Die Polizei warnte nach den Schüssen an einem Einkaufszentrum vor einer «akuten Terrorlage».

Bildergalerie: Schießerei im Olympia Einkaufszentrum in München

Bei dem Attentat in München geht die Polizei von mindestens acht Todesopfern aus, bei einem weiteren neunten Toten prüfen die Ermittler, ob es sich um einen Täter handelt. Die neunte Leiche, ein Mann, wurde etwa einen Kilometer entfernt vom Olympia-Einkaufszentrum gefunden, wie ein Polizeisprecher am späten Freitagabend sagte. Der Mann sei durch Gewalteinwirkung gestorben. Es soll sich um einen Kopfschuss handeln. Ein Roboter soll die Leiche und einen daneben liegenden Rucksack untersucht haben.

Es gebe aber noch keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Bis zu drei Männer mit «Langwaffen» seien auf der Flucht, hieß es am späten Abend. Man suche im ganzen Stadtgebiet und im Umland nach ihnen. Die Landeshauptstadt rief den «Sonderfall» wegen einer «Amoklage» aus.

Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an. In Teilen der Stadt herrschte Panik.

Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen - wurde komplett eingestellt, ebenso der Zugverkehr. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert. Ärzte und Schwestern wurden in die Krankenhäuser gerufen. Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen.

Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich bestürzt: «Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst.» In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten. Er fühle sich «allen verbunden, die im Einsatz sind, um Menschen zu schützen und Leben zu retten». Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagte im ZDF: «Wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen ihr Ziel erreichen, nämlich unsere Gesellschaft zu verunsichern.»

Laut Altmaier gab es gesicherte Hinweise zunächst nur auf einen Täter. Unklar war anfangs, ob es in der Innenstadt eine weitere Attacke gab. Auch dort kam es zu einem Großeinsatz schwer bewaffneter Polizisten, nachdem Menschen schreiend und in Panik in Richtung Stachus geflohen waren. Ein Polizeisprecher sagte später, zahlreiche Hinweise von Bürgern per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt.

Die Landeshauptstadt forderte die Bürger per Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Facebook aktivierte den «Safety Check» («Sicherheitscheck») für München, womit Bewohner mitteilen können, dass sie in Sicherheit sind. Zudem twitterten etliche Bewohner der Stadt den Hashtag #OffeneTür, um Menschen Unterschlupf zu gewähren.

«Wir wissen derzeit nicht wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit», schrieb die Polizei rund zwei Stunden nach Beginn der Schießerei auf Twitter. «Starke Polizeikräfte in der gesamten City. Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern», twitterte die Polizei später. dpa-Reporter berichteten von Panik in Teilen der Stadt. Nach der Sperrung des Hauptbahnhofs seien die Menschen über die Gleise geflohen.

Schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten auch in der U-Bahn-Station am Stachus (Karlsplatz). Zuerst gab es Meldungen von einer Schießerei dort, aber dabei soll es sich um einen Fehlalarm gehandelt haben. Der Marienplatz im Herzen der Stadt war am Abend wie leer gefegt. Eine Journalistin hatte dort beobachtet, wie zwei Männer und eventuell eine Frau festgenommen wurden. Dabei könnten zwei Rucksäcke eine Rolle spielen. Angeblich sollen Sprengstoffspezialisten unterwegs sein.

Eine weitere Augenzeugin soll laut n-tv von einem Unbekannten in einem Weihnachtsmannkostüm berichtet haben, der sich im Olympia Einkaufszentrum seltsam benahm und später auch auf der Straße zu sehen war und gegrinst haben soll. Ein weiterer Augenzeuge will ebenfalls einen Weihnachtsmann mit Sonnenbrille und Umhängetasche gesehen haben. Ein Weihnachtsmann soll blonde Haare gehabt haben. Hinweise dieser Art muss die Polizei jetzt erst einmal sammeln, prüfen und auswerten. Ebenso die Fotos und Videos, die ins Netz gestellt wurden.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) setzten ein Krisentreffen in der Staatskanzlei an. Seehofer berief für diesen Samstag (11.00) eine Sondersitzung seines Kabinetts ein. Auch die Bundesregierung stellte sich auf eine Krisenlage ein. Am Freitagabend kamen nach dpa-Informationen im Kanzleramt Mitarbeiter zusammen, um die Geschehnisse in der bayerischen Landeshauptstadt zu verfolgen und Kontakt mit allen zuständigen Stellen zu halten. Alle von den Angriffen thematisch betroffenen Regierungsmitglieder seien alarmiert, hieß es.

Der Anschlag begann laut Polizei bei einem Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum um 17.52 Uhr. Anschließend rasten von überall in der Stadt Polizei- und Rettungskräfte zu dem Einkaufszentrum. Die Gegend war weiträumig abgeriegelt. Über der ganzen Stadt kreisten Hubschrauber. Die Polizei rief Autofahrer auf, die Autobahnen in Richtung München für Einsatzfahrzeuge freizumachen.

Das Olympia-Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eine der größten Shopping-Meilen in München.

Erst am Montagabend hatte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Offenbar hatte die Tat einen islamistischen Hintergund.