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Gerade noch rechtzeitig durch ein Loch in der Wolkendecke konnte PZ-news-Leser Andreas Kutowinski den Venustransit vor der Sonne filmen.
Gerade noch rechtzeitig durch ein Loch in der Wolkendecke konnte PZ-news-Leser Andreas Kutowinski den Venustransit vor der Sonne filmen. © Kutowinski
06.06.2012

Schwarzer Venus-Punkt vor der Sonne kaum zu sehen

Ausgestattet mit Schutzbrillen haben Tausende Menschen in weiten Teilen der Welt die Venus als schwarzen Fleck vor der Sonne verfolgt. In Deutschland hatten sich jedoch viele Astro-Fans vergebens den Wecker gestellt, denn Wolken versperrten besonders im Westen den Blick auf das Spektakel. Hobbystronom Andreas Kutowinski, Leser von PZ-news und "Pforzheimer Zeitung", am Mittwochmorgen den Venustransit kurz beobachten, aber leider der dicken Wolkendecke wegen nur ein Bild machen können.

"Das Ereignis "blitzte" kurz auf und ist dann wieder hinter den Wolken verschwunden", schreibt er PZ-news. Theoretisch sei die Sichtbarkeit in unseren Breitengraden von 5.25 bis 6.40 Uhr möglich gewesen, meldet Kutowinski.

Das Spektakel startete mit dem Sonnenaufgang. «Der größte Teil hat leider Pech gehabt. Dazu ist die Front mit den Wolkengebieten doch zu schnell reingekommen», sagte Meteorologe Torsten Walter vom Deutschen Wetterdienst. Nur rund 20 Prozent der Menschen in Deutschland hatten die Chance, das Schauspiel zu sehen. Es war für fast alle die letzte Möglichkeit, das Ereignis mit eigenen Augen zu verfolgen, denn erst in 105 Jahren wird sich die Konstellation wiederholen.

Zumindest für 10 Minuten konnten die Zuschauer an der Volkssternwarte in Kirchheim bei Erfurt bestaunen. «Es war ein Wechselbad der Gefühle», sagte der Leiter der Sternwarte, Jürgen Schulz. Beim Sonnenaufgang gab es klare Sicht aber kurze Zeit später verstellen Wolken den Blick. «Das ist nun mal das Schicksal der Astronomen», meinte Schulz.

Der Stuttgarter Astronomieprofessor Hans-Ulrich Keller war extra für das Spektakel nach Hawaii gereist. «Es war hier wunderschönes Wetter. Das hat sich wirklich gelohnt», sagte er der Nachrichtenagentur dpa nachdem er das Schauspiel am Observatorium Mauna Kea in 4200 Metern Höhe beobachtet hatte. «Wer dieses Ereignis versäumt hat, wird in seinem Leben keine Gelegenheit mehr haben, einen Venustransit zu sehen.»

In Berlin scharten sich Hunderte Beobachter bei klarem Himmel in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte. Der Reihe nach konnten die Frühaufsteher den besten Blick auf eine Projektion des Teleskops erhaschen, bevor sich die nächsten Menschen vor die Aufnahme drängten. «Diese zwei, drei Sekunden haben sich sehr gelohnt», sagte der Frühaufsteher Thorsten Klar nachdem er die Aufnahmen gesehen hatte.

In Hamburg konnten mehr als 1000 Hobby-Astronomen am Planetarium das Schauspiel bei guter Sicht ebenfalls durch ein Teleskop mit Filter sehen. «Ohne Filter würde man sich sofort die Netzhaut wegbrennen», sagte der Wissenschaftsjournalist am Planetarium, Stephan Fichtner. Der Himmel über Hamburg war nach Sonnenaufgang um 04.53 Uhr nur zeitweise bewölkt.

In Australien, Neuseeland und Ostasien konnten die Menschen schon Stunden vorher das Himmelsspektakel beobachten. Durch Schutzbrillen hindurch blickten sie zur Sonne. In zahlreichen Städten hatten astronomische Gesellschaften öffentliche Beobachtungsstationen eingerichtet. In der philippinischen Hauptstadt Manila verzogen sich Dunstschwaden kurz nach Sonnenaufgang und machten einen klaren Blick auf die Sonne frei. In Melbourne hatten sich Regenwolken kurz vor Sonnenaufgang aufgelöst.

Der Transit ist wie eine Mini-Sonnenfinsternis. Die Venus schiebt sich als kleines dunkles Scheibchen vor die leuchtende Sonne. Der dunkle Fleck ist jedoch leicht zu übersehen. Denn die Kontur der Venus erscheint nur rund ein Promille so groß wie die Sonnenscheibe. dpa/tok