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In Indien wurde schon wieder eine Frau von mehreren Männern vergewaltigt. Nun wurden fünf der sechs Täter festgenommen. © dpa
18.03.2013

Schweizer Touristin in Indien vergewaltigt - Fünf Männer festgenommen

Neu Delhi. Eine Schweizer Touristin ist in Indien von mehreren Männern vergewaltigt worden. Laut Polizeiangaben campierten die 39-Jährige und ihr Ehemann in einem Wald im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh, als sie am Freitagabend von bis zu acht Männern überfallen und mit Stöcken zusammengeschlagen wurden. Der Partner der Schweizerin musste demnach mit ansehen, wie sich mehrere Attentäter an seiner Frau vergingen.

Am Sonntag wurden fünf Männer festgenommen. Bei ihnen seien Laptop und die Mobiltelefone des Schweizer Paares gefunden worden, sagte ein Sprecher der Leitstelle im Distrikt Datia. Die fünf mutmaßlichen Täter wurden am Sonntag befragt, ein sechster Mann wurde noch gesucht.

Bildergalerie: Nach Gruppenvergewaltigung in Indien: Fünf Männer in Haft

Das Urlauberpaar war mit Fahrrädern auf dem Weg nach Agra, wo der berühmte Taj Mahal steht. In der Nähe der Tempelstadt Orchha hätten sie ihr Camp zum Übernachten aufgeschlagen, erklärte der Polizeipräsident des Distrikts, C. S. Solanki. Nach Aussage des Mannes überwältigten ihn die Täter, vergewaltigten seine Begleiterin und raubten ihnen ihre Wertsachen.

Die 39-Jährige Schweizerin wurde in ein Krankenhaus in der Stadt Gwalior gebracht. Nach einer ersten Untersuchung bestätigte das Hospital, dass die Frau mehrfach vergewaltigt wurde, wie der Sender NDTV berichtete. Fernsehbilder zeigten zahlreiche Polizisten, die das Waldstück durchkämmten. Nach Angaben eines Polizeisprechers begab sich das Paar am Sonntag auf dem Weg in die Hauptstadt Neu Delhi. Unterdessen geriet der Innenminister des Bundesstaates Madhya Pradesh in die Kritik, weil er die beiden Schweizer für die Tat mitverantwortlich machte. Touristen würden oft die Regeln missachten, sagte Uma Shankar Gupta am Sonntag in Bhopal. «Wenn ausländische Touristen kommen, dann ... sollten sie die Polizeipräsidenten des Distrikte, die sie besuchen, über ihre Reisepläne informieren», sagte der Minister. Dann könne für ihre Sicherheit gesorgt werden.

Der Schweizer Botschafter sprach bereits am Samstag mit dem Opfer und ihrem Partner und sicherte ihnen jegliche erdenkliche Hilfe zu. In einer Mitteilung hieß es, die Botschaft sei «zutiefst erschüttert». Zunächst stünde die Gesundheit und Behandlung der Schweizerin im Vordergrund. Doch zugleich wurden die lokalen Behörden zu schnellen Ermittlungen aufgefordert. Die Täter müssten bestraft werden.

Vergewaltigungen und der respektlose Umgang mit Frauen sind ein großes gesellschaftliches Problem in Indien. 2011 zählten die Behörden rund 24 200 gemeldete Vergewaltigungen, die Dunkelziffer dürfte allerdings um ein Vielfaches höher liegen. Denn viele Frauen gehen nicht zur Polizei, weil sie mit der Veröffentlichung Schande über ihre eigene Familie bringen würden. Auch werden viele Anzeigen von der Polizei nicht aufgenommen, andere verlaufen im Sand. Und nur etwa ein Viertel der Angeklagten, die vor Gericht müssen, werden schließlich verurteilt.

Täter, die sich an indischen Frauen vergehen, haben also oft nichts zu fürchten. Touristinnen werden eher selten Opfer. Allerdings rät das Auswärtige Amt Reisenden, vor allem Frauen, vorsichtig zu sein. Im November vergangenen Jahres wurde eine Spanierin, die familiäre Bindungen nach Deutschland hat, in ihrer Wohnung in Mumbai überfallen und vergewaltigt. Und vor zehn Jahren war eine Schweizer Diplomatin in der Hauptstadt Neu Delhi in ihrem Auto entführt und misshandelt worden. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Derzeit diskutiert Indien so intensiv wie wohl nie zuvor über die Vergewaltigungen und die Stellung der Frau. Losgetreten wurde die Debatte durch die brutale Misshandlung einer 23 Jahre alte Studentin, die in einem fahrenden Bus von einer Gruppe Männer vergewaltigt wurde und später an den Verletzungen starb. Das Verbrechen löste in Indien Massendemonstrationen aus und sorgte auch weltweit für Entsetzen. Ob sich die indische Gesellschaft dadurch ändert, wird im Land kontrovers diskutiert.